HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •01.02.1975
#HerthaMuseum (#10)
 

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Der erste Bundesliga-Heimsieg von Hertha BSC gegen den deutschen Rekordmeister FC Bayern München (01.02.1975)

In der Saison 1968/1969 treffen beide Mannschaften erstmalig in der Fußball-Bundesliga aufeinander. Die Münchener, die diese Spielzeit später mit ihrem ersten Double der Vereinsgeschichte krönen, behalten in beiden Aufeinandertreffen die Oberhand.

Am 30.10.1969 gelingt den Blau-Weißen am 11. Spieltag der Saison 1969/1970 im dritten Anlauf der erste Erfolg um Bundesliga-Punkte beim bis dahin heimwärts verlustpunktfreien Tabellenführer. Im altehrwürdigen Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße erzielen Jürgen Weber und Arno Steffenhagen die beiden Treffer zum 2:1, kurz vor dem Siegtreffer pariert Torwart Gernot Fraydl einen von Gerd Müller geschossenen Foulelfmeter.

In den nächsten zehn Bundesliga-Partien gehen die Bayern sieben Mal als Sieger hervor, dreimal trotzen die Berliner der Mannschaft, die in den Jahren 1972 bis 1974 dreimal in Folge den nationalen Meistertitel erringt, ein Remis ab. Diese drei dramatischen und hochklassigen Partien erleben jeweils über 70.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion.

Das Duell dieser beiden Mannschaften entwickelt sich besonders im geteilten Berlin zu einem Klassiker, den sich in diesen Jahren auch beliebte Persönlichkeiten aus der Politik, wie z.B. der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Schütz sowie Bundeskanzler Willy Brandt nicht entgehen lassen.

Umgekehrte Vorzeichen

Nach der Hinrunde der Saison 1974/1975 steht der Titelträger der vergangenen drei Spielzeiten mit seinen fünf frischgebackenen Weltmeistern Josef „Sepp“ Maier, Georg „Katsche“ Schwarzenbeck, Franz „Kaiser“ Beckenbauer, Ulrich „Uli“ Hoeneß und Gerd „Bomber der Nation“ Müller lediglich auf dem vierzehnten Tabellenplatz. Zum Rückrundenauftakt unterliegen die Bayern, die von neun Heimspielen in der Hinrunde lediglich zwei Partien für sich entscheiden können, den aufstrebenden Offenbacher Kickers, Franz Beckenbauer unterläuft im Münchener Olympiastadion zudem ein Eigentor. Die Formkurve von Hertha BSC zeigt hingegen nach oben, die Berliner stehen vor Beginn der Rückrunde punktgleich mit Borussia Mönchengladbach überraschend auf dem zweiten Tabellenplatz und erringen am 18. Spieltag nach einem torlosen Remis bei Fortuna Düsseldorf einen wichtigen Auswärtspunkt.

Die Bayern werden seit Mitte Januar 1975 pikanterweise von Trainer Dettmar Cramer (aufgrund seiner Körpergröße auch „Napoleon“ genannt) betreut, der eigentlich zu Beginn der Saison 1974/1975 das Traineramt bei Hertha BSC übernommen hat.
 Nach Uneinigkeiten zwischen der Vereinsführung und dem Trainer, löst Dettmar Cramer den Vertrag jedoch bereits nach der ersten Trainingseinheit am 09.07.1974 auf. Er begleitet die Mannschaft anschließend jedoch noch ins Trainingslager, bevor Hertha BSC kurz darauf „Sir“ Georg Kessler als neuen Trainer verkündet.

Nebel über Berlin

Am ersten Februar-Samstag 1975 machen sich bei diesigem Wetter rund 80.000 Zuschauer auf den Weg in das Berliner Olympiastadion, um endlich den ersten Bundesliga-Heimsieg gegen den FC Bayern München zu erleben.

Nach einer Freistoßflanke von Erich „Ete“ Beer und dem anschließenden Kopfball von Erwin Hermandung in den Münchener Strafraum, ist es Franz Beckenbauer mit seinem zweiten Eigentor innerhalb von acht Tagen, der die Herthaner bereits in der neunten Spielminute in Führung bringt.
 Die Berliner scheinen danach von der frühen Führung selbst überrascht, der nach wie vor vorhandene und fast hemmend wirkende Respekt vor den Münchenern bereitet in der zwölften Spielminute den Weg zum nahezu postwendenden Ausgleich durch Karl-Heinz Rummenigge. 

Wenig später ist es erneut Franz Beckerbauer, der nach einer Flanke von Erwin Hermandung, fast sein zweites Eigentor an diesem Tag erzielt – den mit einem artistischen Seitfallrückzieher auf das linke untere Toreck gezirkelten Ball kann Torwart Josef „Sepp“ Maier aber gerade noch vor der Torlinie ins Toraus befördern. Mit dem 1:1 geht es in die Halbzeitpause, in der Trainer „Sir“ Georg Kessler den bereits seit vier Tagen grippeerkrankten, aber auf Wunsch der Mannschaft nach Akupunktur-behandlung aufgebotenen Mannschaftskapitän Ludwig „Luggi“ Müller für Holger Brück auswechseln muss.

Kurz nach Wiederanpfiff fängt Erich „Ete“ Beer einen von Gerd Müller für Josef „Sepp“ Maier gedachten Rückpass im Münchener Strafraum ab, umkurvt den Nationaltorhüter und schiebt in der 47. Spielminute zur verdienten 2:1-Führung ein.
 Danach spielt die Hertha entfesselt, die Bayern resignieren im immer dichter werdenden Berliner Nebel zusehends. Folgerichtig fallen die Tore zum 3:1 durch Wolfgang Sidka in der 61. Spielminute und zum 4:1 fünf Minuten vor Spielende erneut durch Erich „Ete“ Beer mit einem fulminaten Fernschuss aus 19 Metern. In der 88. Spielminute verpasst Uwe „Funkturm“ Kliemann sogar noch das 5:1, als er mit einem Foulelfmeter an Josef „Sepp“ Maier scheitert.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht“

Josef „Sepp“ Maier verliert indes auch nach vier Gegentoren den Humor nicht. So freut ihn seine Elfmeter-Finte, sich bewußt so weit in die rechte Ecke seines Tores gestellt und damit Uwe „Funkturm“ Kliemann verleitet zu haben, in die andere Ecke zu zielen und dann den Ball zu parieren. Er scherzt, dass die Bayern mit 10 Mann spielen, weil Georg „Katsche“ Schwarzenbeck jetzt Franz Beckenbauer decken muss, damit dieser keine Eigentore mehr schießt.

Nach der Rückkehr in München-Riem kommentiert der „Kaiser“ selbst mit einem Ausdruck von Galgenhumor: „Die Lage ist kritisch, aber keinesfalls hoffnungslos“. Dass dem so ist, zeigt der Verlauf der Saison: Bayern München beendet die Saison zwar lediglich als Tabellenzehnter, verteidigt aber Ende Mai 1975 den Pokal der Landesmeister mit einem Sieg gegen Leeds United im Pariser Prinzenparkstadion. 

Vom Titelkandidaten zum Vizemeister

Für Hertha BSC bedeutet dieser sechste Heimsieg in Folge den dritten Tabellenrang, punktgleich hinter Borussia Mönchengladbach und Kickers Offenbach. Am Ende der Saison 1974/1975 bleibt dem im heimischen Olympiastadion ungeschlagenen Berliner Titelkandidaten hinter Borussia Mönchengladbach „nur“ die Vizemeisterschaft (bis zum heutigen Tage die beste Platzierung in der Fußball-Bundesliga). Auf die Frage „Warum eigentlich?“, antwortet Erich „Ete“ Beer mit einem oberfränkischen Schmunzeln im Gesicht: „Ja, da überleg' ich heut' noch“.

Der letze Heimsieg

Den letzten Triumph gegen den FC Bayern München feiert Hertha BSC mit einem 2:1 durch zwei Treffer von Andrey Voronin im ausverkauften Olympiastadion am 14.02.2009 – die Blau-Weißen setzen sich durch diesen Sieg sogar an die Tabellenspitze der Bundesliga. In den vergangenen zwei Spielzeiten trennen sich beide Kontrahenten jeweils mit einem Remis in Berlin.

Lediglich ein Ausgleichstreffer in der Nachspielzeit der Nachspielzeit, verhindert beim 1:1 am 18.02.2017 einen blau-weißen Heimsieg.
 Knapp acht Monate später erringen die Berliner am ersten Sonntag im Oktober 2017 nach einem 0:2-Rückstand wenigstens einen verdienten Punkt, obwohl den Herthanern beim Stand von 0:1 ein Foulelfmeter nach Videobeweis-Entscheid verwehrt wird.

Veröffentlichungsdatum: 26.09.2018
 
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