HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •02.01.1965
#HerthaMuseum (#17)
 

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"Keine Zeit für Neujahrskater"

Einen Tag nach Neujahr spielt Hertha BSC in der Bundesliga beim Hamburger SV (02.01.1965)


Nach dem Klassenerhalt in der Premieren-Saison der Fußball-Bundesliga bietet auch die zweite Spielzeit in der höchsten deutschen Spielklasse einige interessante und denkwürdige Erinnerungen für die Anhänger von Hertha BSC. Für die Blau-Weißen, die sich zu Saisonbeginn mit dem ehemaligen Nationaltorwart Wolfgang Fahrian, Willibert Kremer, Jürgen Sundermann und Kurt „Kutti“ Schulz verstärken, ist der erneute Klassenverbleib das erklärte Saisonziel.

Ein 3:2-Sieg der Gesundbrunner beim amtierenden Deutschen Meister 1. FC Köln am ersten Spieltag bildet den Grundstein für eine zufriedenstellende Hinrunde, die mit einem ausgeglichenen Punktekonto beendet wird.

Nachdem die Geißböcke zu Beginn der Rückrunde im Berliner Olympiastadion fünf Tage vor Weihnachten für die überraschende Hinrundenniederlage Revanche nehmen, gehen die Berliner mit drei Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge als Tabellenzehnter in die Weihnachtsferien.

Keine Atempause

Hertha BSC und den anderen 15 Bundesliga-Mannschaften bleibt jedoch keine Zeit, allzu lange an besinnliche Weihnachtfeiertage und eine feuchtfröhliche Silvesterparty zu denken, denn bereits am 02.01.1965 steht der bis zum heutigen Tage früheste Bundesliga-Spieltag nach einem Jahreswechsel an. Nachdem der 1. FC Nürnberg und der VfB Stuttgart den zweiten Spieltag der Rückrunde bereits am Silvestertag eröffnet haben, steht für Hertha BSC am Tag nach Neujahr die Begegnung beim Hamburger SV im Volksparkstadion an.


Ein Punktgewinn bei den heimstarken Hanseaten wäre für die Gesundbrunner, die in den bisherigen sieben Auswärtspartien lediglich dreimal unterlegen waren, zweifelsohne ein Erfolg. Für die Mannschaft und die Hertha-Anhänger, die 25,00 DM für die Busreise in die Hansestadt aufbringen, um ihre Mannschaft an der Elbe zu unterstützen, wird es allerdings ein ernüchternder Nachmittag.


Trainer Josef „Jupp“ Schneider bietet Lothar „Wanze“ Groß als Sonderbewacher von Uwe Seeler auf. Und doch ist es der Hamburger Mittelstürmer, mit 11 Treffern der bis dahin zweitbeste Torschütze der Bundesliga, der mit seinem Führungstreffer kurz nach Spielbeginn die Berliner kalt erwischt. Nach einigen guten Chancen auf beiden Seiten kann Uwe Klimaschefski den Ausgleich in der 26. Spielminute erzielen.

Kurt Schulz hatte zuvor vom linken Flügel nach innen gepasst, wo der an diesem Tage beste Herthaner erst seinen Gegenspieler Harry Bähre umspielt und dann den hervorragenden Hamburger Torwart Horst Schnoor mit einem platzierten Torschuss in die äußerste Torecke überwindet.

Die Hoffnung der Gesundbrunner, mit diesem Remis in die Halbzeitpause gehen zu können, erfüllt sich jedoch nicht. Mit einem Doppelschlag innerhalb von drei Minuten sorgen die Hamburger kurz vor dem Seitenwechsel praktisch für die Vorentscheidung. 
Torwart Wolfgang Fahrian faustet nach einer Hereingabe ins Leere, Uwe Seeler ist zur Stelle und köpft mit seinem zweiten Treffer die Gastgeber in der 41. Spielminute zur erneuten Führung.

Kurz vor dem Pausenpfiff ist dann Uwe Klimaschefski der Unglücksrabe, als er einen Torschuss von Peter Wulf unglücklich abfälscht und Wolfgang Fahrian keine Chance zur Abwehr lässt. Der letzte Nerv wird den Blau-Weißen gezogen, als Hans-Günter Schimmöller eine Flanke von Juhani Peltonen, der vor der Parte als „Finnlands Fußballer des Jahres“ geehrt wird, unhaltbar in die lange Ecke des eigenen Gehäuses zum 1:4-Endstand befördert.

Sportlich gerettet

Die kurze Winterpause und die Auftaktniederlage im neuen Jahr haben letztendlich keine negativen Auswirkungen auf das Erreichen des Saisonziels.

Am 28. Spieltag erzielt Kurt „Kutti“ Schulz elf Minuten vor Spielende das Tor des Tages zum Sieg beim abstiegsgefährdeten Karlsruher SC, bevor es eine Woche später im letzten Heimspiel der Saison zum Duell mit Bundesliga-Neuling Borussia Neunkirchen kommt.

Erneut ist es der Held von Karlsruhe, der in der vorletzten Spielminute den erlösenden Treffer zum 1:1 erzielt und das Berliner Olympiastadion durch die Jubelstürme der 30.000 Zuschauer in seinen Grundfesten erbeben lässt - Hertha BSC, dass bei durchschnittlich 32.000 Besuchern den drittgrößten Zuschauerzuspruch der Bundeliga verbuchen kann, hat durch diesen Punktgewinn den sportlichen Klassenerhalt sicher.

Der bittere Abschied aus der Bundesliga

Noch Mitte Dezember 1964 fordert Siegfried Schmidt, Vorsitzender von Hertha BSC, auf einer Arbeitstagung der höchsten deutschen Spielklasse in Köln, die Bundesliga aus wirtschaftlichen Gründen von 16 auf 18 Mannschaften aufzustocken und über die vom DFB noch begrenzten Ablösesummen und Handgelder zu beraten, was im Interesse aller Bundesligisten liegt.

Für Hertha BSC ist es aufgrund der Insellage der geteilten Stadt schwer, Spieler nach Berlin zu locken. Der Verein zahlt deshalb bei der Verpflichtung der Neuerwerbungen zu Saisonbeginn überhöhte Handgelder – ein Vorgehen, dass auch bei anderen Bundesligisten zu vermuten ist.

Wegen dieses Verstoßes gegen das von vielen Seiten als nicht mehr zeitgemäß angesehene Vertragsstatut wird Hertha BSC wenig später vom DFB in die Regionalliga zurückgestuft. Um den Forderungen der sportlich abgestiegenen Karlsruher & Gelsenkirchener nach einem Klassenverbleib gerecht zu werden, wird die Bundesliga zur Saison 1965/1966 von 16 auf 18 Mannschaften aufgestockt.

Veröffentlichungsdatum: 02.01.2019
 
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