HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •10.-19.02.1974
#HerthaMuseum (#20)
 


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Die Reise nach Israel


Berlin – Im Jahre 1974 rückt Israel aufgrund von sportpolitischen Beziehungen in den Blickpunkt des West-Berliner Bundesligisten. Lediglich 17 Monate nach dem Attentat auf israelische Sportler während der XX. Olympischen Sommerspiele in München, machen sich die Blau-Weißen als Botschafter des Sports und der Freundschaft auf den Weg nach Tel-Aviv zu einem mehrtätigen Besuch im Gelobten Land.


Sicherheit ist oberstes Gebot

Aufgrund von Befürchtungen von politisch motivierten Anschlägen gilt in den Tagen vor dem Abflug die höchste Sicherheitsstufe auf dem Flughafen Tegel. Bereits seit zwei Tagen bewacht die Berliner Polizei die eigens gechartete Coronado der Modern Air-Fluggesellschaft, diverse Späh-Wagen sondieren zudem die Umgebung des Geländes.

Der Tag des Abflugs

Nach Absetzung der ursprünglich für den 09.02.1974 terminierten Bundesliga-Partie bei Rot-Weiß Essen, beginnt für den Hertha-Troß einen Tag später die von allen Beteiligten mit großer Spannung erwartete Reise.


Die Wichtigkeit dieser Reise spiegelt sich in den Teilnehmern wider, denn neben dem Vorstand und dem Präsidium, angeführt von Präsident Heinz Warneke, dem Trainerstab und der Mannschaft, umfasst die circa 50-köpfige Reisegruppe auch Journalisten und Vertreter vom RIAS (Radio im amerikanischen Sektor) und SFB (Sender Freies Berlin), darunter Heinz Deutschendorf, Moderator der Berliner Abendschau. Auch einige Ehefrauen und Lebensgefährtinnen der Lizenspieler lassen sich die Möglichkeit nicht entgehen, als Schlachtenbummler mitzureisen.


Die Ankunft in Tel-Aviv

Nach einem ruhigen Flug landet die Reisegruppe bei wunderbarem Wetter auf dem nach dem ersten Ministerpräsidenten von Israel benannten Flughafen Ben Gurion in Tel-Aviv, wo sie vom Berliner CDU-Abegeordneten Jürgen Wohlrabe und Funktionären von Hapoel Tel Aviv empfangen wird. Nach der Ankunft im direkt am Mittelmeer liegenden Hotel „Grand Beach“ stellen sich Präsident Heinz Warneke und Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein am Abend den Fragen der israelischen Pressevertreter.


Zahlreiche Höhepunkte in einer anderen Kultur


Am nächsten Tag genießen die Verantwortlichen von Hertha BSC im gegenüber der weltbekannten Diamantenbörse gelegenen Hotel „Ramat Aviv“ ein exzellentes Mittagessen auf Einladung des Vorstands des israelischen Fußballverbandes, dem sich für die gesamte Reisegruppe eine Stadtrundfahrt durch Tel-Aviv und Jaffa anschließt, bevor man sich am frühen Abend im Hotel „Gil“ einfindet, wo 500 ehemalige Berliner den Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz und die Hertha-Mannschaft mit großem Beifall empfangen.


Am zweiten Tag nach der Ankunft reisen der Vorstand in einem von Wolfgang Holst geführten Mietwagen nach Haifa, Akko sowie Nahariya und besuchen die libanesiche Grenze. Die anderen Reiseteilnehmer nutzen den Tag für Besuche in Jerusalem, des See Genezareth oder für einen Einkaufsbummel in Tel-Aviv.


Nach Trainingseinheiten an den ersten beiden Tagen steht für die Lizenzspieler das erste Testspiel gegen Maccabi Tel Aviv an. Und in diesem Zusammenhang wird deutlich, dass in Israel kein Frieden herrscht. Nach einem Schusswechsel an den Golan-Höhen tags zuvor, bei dem zwei Israelis ihr Leben lassen, zeichnet sich ein schwacher Besuch des Freundschaftsspiels ab.

In der Kabine der Gastgeber liegen Uniformen und Machinengewehre, einige Spieler sind Soldaten, die für diese Partie Kurzurlaub erhalten. Die Berliner, die wohl auch unter dem Einfluss dieses Ereignisses stehen, unterliegen nach zerfahrenem Spiel auf tückischem Boden und hohen Temperaturen mit 1:3 (0:1).

In den folgenden Tagen besuchen die Berliner das Tote Meer, die Steinwüste Sinai, das Rote Meer, den Hafen von Eilat und Jericho, die älteste Stadt der Welt. Der kulturelle Höhepunkt ist jedoch zweifelsfrei eine Rundfahrt nach Jeruslalem und Bethlehem.

Beim Besuch von Yad Washem, der Gedenkstätte der Märtyrer und Helden des Staates Israel im Holocaust, die zuvor auch vom Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz besucht worden war, legt Präsident Heinz Warneke in Andacht einen Kranz mit blau-weißer Schleife nieder. Es schließt sich der Besuch der Klagemauer in der Altstadt von Jerusalem und die Geburtsstätte von Jesus Christus in Bethlehem an.

Am Tag vor dem Abflug steht für die Mannschaft das zweite Freundschaftsspiel gegen die an die Gewerkschaften angelehnte und durch die zahlreichen Mitglieder finanziell besser gestellte Mannschaft von Hapoel Tel-Aviv auf dem Programm. Dieses Mal zeigen sich die Herthaner nicht zuletzt aufgrund einer neu konzipierten Mannschaft stark verbessert und entscheiden die Partie nach Treffern von Lorenz „Lenz Horr, Kurt „Kudi“ Müller und Johannes „Hannes“ Riedl mit 3:1 (2:0) für sich.


Die Vereinsverantwortlichen verbringen den letzten Abend bei einem Empfang der Vorstände von Maccabi und Hapoel, die sich für den Besuch von Hertha BSC bedanken, während Vizepräsident Hans-Jürgen Reißbach in Vertretung des aus beruflichen Gründen kurz zuvor abgereisten Präsidenten Heinz Warneke noch einmal den politischen Beitrag der Berliner hervorhebt.


Abschied

Am 19.02.1974 endet der Besuch in Israel, der in der Geschichte von Hertha BSC bis zum heutigen Tage als Beitrag für eine gemeinsame friedliche und freundschaftliche Zukunft über die Grenzen von Konfessionen einen ganz besonderen Stellenwert besitzt.

Veröffentlichungsdatum: 11.02.2019

 
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