HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •13.08.1961
#HerthaMuseum (#09)
 


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13.08.1961 bis 09.11.1989 – Die Berliner Mauer & Hertha BSC 

Vor mittlerweile 57 Jahren, genauer gesagt am 13. August 1961, beginnen die Bauarbeiten zur Errichtung der Berliner Mauer, die die Stadt für mehr als 28 Jahre trennen wird und neben den immensen weltpolitischen Auswirkungen auch die Geschichte und die Entwicklung von Hertha BSC in vielfältiger Form nachhaltig beeinflusst und prägt.

Die Vorgeschichte und Entstehung der Berliner Mauer

Im Februar 1945 vereinbaren die Staatschefs der späteren Siegermächte Josef W. Stalin, Franklin D. Roosevelt und Winston Churchill während der Konferenz von Jalta bereits die Unterteilung von Deutschland in vier Besatzungszonen, darunter auch das in der sowjetischen Besatzungszone befindliche Berlin, welches unter einem Sonderstatus fortan in vier Sektoren aufgeteilt sein wird.

Nach der Berlin-Blockade durch die Sowjetunion und der Luftbrücke der drei Westallierten U.S.A., Großbritannien sowie Frankreich im Jahre 1948 sowie der Gründung der beiden deutschen Staaten Bundesrepublik Deutschland und Deutsche Demokratische Republik im Jahre 1949, wird die innerdeutsche Grenze ab 1952 durch die DDR durch Zäune und Alarmvorrichtungen gesichert, lediglich die Grenze zwischen Berlin (West) und Berlin (Ost) blieb zu diesem Zeitpunkt noch offen.

Von 1949 bis 1961 verlassen Millionen Menschen, darunter zahlreiche gut ausgebildete Arbeiter und Akademiker, die DDR und Berlin (Ost) in Richtung Westen - die wirtschaftliche Lage der DDR mit einhergehenden Versorgungsproblemen verschlechtert sich im Frühjahr 1961 rasant.

Aufgrund dieser Entwicklungen beginnen in den Morgenstunden des 13. August 1961 bewaffnete Grenzpolizisten mit Absperrarbeiten und errichten Barrikaden aus Betonpfählen und Stacheldraht entlang der sowjetischen Sektorengrenze mitten durch Berlin.

Zwei Monate nach den berühmten Worten „...Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." des DDR-Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht auf einer Pressekonferenz vom 15. Juni 1961, ist die Grenze nunmehr innerhalb von wenigen Tagen dicht.

Im Osten der Stadt beheimatete Vereinskameraden

Am 13. August 1961 bestreitet die Mannschaft von Hertha BSC ein Meisterschaftsspiel bei Wacker 04. Aber drei Spieler aus dem Ostsektor fehlen, darunter auch Klaus Taube, der Mittelstürmer der Blau-Weißen.

Klaus Taube, der 1949 eine Lehrstelle im Westteil der Stadt antritt, ist seit 1951 Mitglied bei Hertha BSC, spielt in der Westberliner Stadtauswahl, unterzeichnet 1956 den begehrten Lizenzspielervertrag, spielt im Juni 1960 mit einer Hertha BSC & Tennis Borussia-Auswahl im Olympiastadion gegen den FC Santos mit Pelè und wird zudem 1957 und 1961 Berliner Meister.

Noch im Juni 1961 wirkt Klaus Taube in fünf der sechs Vorrundenpartien um die Deutsche Meisterschaft mit, scheitert mit Hertha BSC jedoch als Tabellenvierter am 1. FC Nürnberg, Werder Bremen und dem 1. FC Köln.

An diesem Sonntag und fortan wird er nicht mehr für die Herthaner auflaufen, denn aus Pankow kommend muss er feststellen, dass die Grenzübergänge und die S-Bahn-Zugänge in den Westteil der Stadt gesperrt sind.

Wenig später wird auch das sportliche Ausmaß der Teilung der Stadt für Hertha BSC bekannt. 95 Vereinsmitglieder werden als abgängig vermeldet. Klaus Taube muss in der Folge seinen Vereinsaustritt erklären, um in der DDR weiterhin Fußballspielen zu können. Als ehemaligem Grenzgänger bleiben ihm Spitzenvereine der DDR verschlossen, weshalb er sich zunächst Lichtenberg 47 anschließt, bevor er bei Eintracht Pankow als Spieler und danach als Trainer (bis 1974) seine letzte sportliche Heimat findet, der er bis zu seinem Tode im April 2017 verbunden bleibt.

Solidaritätsaktion

Während zuvor noch die zahlreichen Ost-Berliner Hertha-Fans & -Mitglieder an die „Ostmark-Kassen“ der „Plumpe“ am Gesundbrunnen strömen, ist dies nun von einem Tag auf den anderen und auf unabsehbare Zeit nicht mehr möglich.

Hertha BSC reagiert schnell mit einer Solidaritätsaktion. Mit dem „Rundschreiben Nr. 1/61“ verkündet der 1. Vorsitzende Hans Höhne den einstimmigen Beschluss der Mitgliederversammlung vom 18. August 1961, die monatlichen Beitragszahlungen um 0,50 DM zu erhöhen, um die Verbundenheit mit den im Ostteil der Stadt beheimateten Vereinskameraden zum Ausdruck zu bringen.

Diese Beitragserhöhung und eine durchgeführte Geldsammlung sollen dazu dienen „den infolge der jüngsten politischen Ereignisse von uns getrennten Vereinskameraden Geschenkpäckchen als Liebesgaben zu übersenden“.

Die „Alte Dame“ in der geteilten Stadt

Die Berufung als amtierender Berliner Vertragsliga-Meister in die neu eingeführte Bundesliga sorgt 1963 für historischen Handlungsbedarf, die Mannschaft muss für den angestrebten Klassenerhalt verstärkt werden.

Durch den Mauerbau erscheint es im Gegensatz zu den westdeutschen Vereinen schwerer, auswärtige Spieler in die geteilte Stadt zu locken, zumal die finanziellen Mittel auch wegen der durch die Teilung der Stadt um circa 20 % verringerten Zuschauerzahlen knapp bemessen sind.

Trotz des Klassenerhalts nach der ersten Bundesliga-Saison 1963/1964 bleiben die Probleme, die durch die Nachteile der Mauerteilung verschärft erscheinen.

Handgeldzahlungen in unerlaubter Höhe, die der Verein auslobt, um Hertha BSC für potentielle Neuzugänge attraktiv zu machen, führen aufgrund „erheblicher Verstöße gegen das Lizenzspielerstatut“ zum Ausschluß durch den DFB aus der auf sportlicher Ebene gehaltenen Bundesliga der Saison 1964/1965 bzw. zur Zwangsversetzung in die Regionalliga.

In den folgenden mehr als zwei Jahrzehnten bleiben Hertha-Fans in Ost & West trotz der unüberwindbaren Mauer in Kontakt. Den direkten Kontakt zum Verein halten die älteren Herthaner aus dem Ostteilteil der Stadt, da sie als Rentner in den Westen reisen dürfen und als Überbringer der Fanpost agieren. Die Kreativität der ostdeutschen Fans der Blau-Weißen kennt keine Grenzen, in aufwendiger und liebevoller Heimarbeit werden blau-weiße Trikots und Schals angefertigt.

Der Verein verschickt Weihnachtspäckchen, organisiert heimlich Weihnachtsfeiern. Spieler, wie z.B. Uwe Klimaschefski und Erich „Ete“ Beer, aber auch Funktionäre, wie z.B. Wolfgang Holst nehmen an heimlichen Fan-Treffen teil und beteiligen sich an Solidaritätsaktionen, Trainer Kuno Klötzer verteilt für die UEFA-Pokal-Auftritte der Saison 1978/1979 in Tiflis und Prag vor Ort Eintrittskarten an die aus der DDR angereisten Anhänger von Hertha BSC.

Diese Leidenschaft zu Hertha BSC wird stets unter der Gefahr der Überwachung durch die Staatssicherheit und daraus resultierender Nachteile gelebt, viele Vereinsmitglieder, darunter auch unser Herthaner des Jahres 2012 & Mitglied des Ältestenrats, Helmut Klopfleisch, können über derartige Erlebnisse berichten, aber auch vielfältige Anekdoten zu dieser Zeit erzählen.

In dieser Zeit entsteht auch eine Fan-Freundschaft mit Anhängern des 1. FC Union Berlin ("Freunde hinter Stacheldraht"), auf den Rängen hört man den Schlachtruf "Es gibt nur zwei Meister an der Spree – Union und Hertha BSC!“ - diese damalige Fan-Generation trifft sich auch heute noch, um Erinnerungen an die damalige Zeit auszutauschen.

Wie sehr Hertha BSC und seine Anhängerschaft in den 28 Jahren unter der Berliner Mauer gelitten haben, zeigt der 11. November 1989. An diesem Samstag strömen zwei Tage nach der Grenzöffnung inoffiziell nahezu 60.000 Zuschauer zur Zweitligapartie gegen Wattenscheid 09 ins Berliner Olympiastadion.

Obwohl der Tabellendritte beim Tabellenvierten antritt und beide Mannschaften die Chance auf die Tabellenführung haben, erscheint das leistungsgerechte Remis an diesem Tag nebensächlich. Es zählt ausschließlich das gemeinsame „Hertha BSC-Erlebnis“ von Fans aus Ost & West, viele mit Tränen des Glücks in ihren Augen.

Hertha BSC bedankt sich an dieser Stelle insbesondere am heutigen Tage bei allen Herthanerinnen und Herthanern aus dem damaligen Ostteil unserer Stadt für die Treue zu unserem Verein während der fast drei Jahrzehnte andauernden Trennung.


Veröffentlichungsdatum: 13.08.2018

 
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