HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •13.-17.01.1971
#HerthaMuseum (#18)
 


#HerthaMuseum (#18)



Hertha BSC erfindet den „Budenzauber“

 

Die Fußball-Bundesliga befindet sich in der Saison 1970/1971 bereits seit dem ersten Dezember-Wochenende in der Winterpause. Die Platzverhältnisse lassen vielerorts kein vernünftiges Trainingsprogramm zu, beheizte Trainingsplätze oder Trainingslager in wärmeren Gefilden gehören noch nicht zum Alltag für Vereine aus der höchsten deutschen Spielklasse. Was liegt also näher, als die Fußball-Aktivitäten in die Halle zu verlegen?!

Die Premiere

Vom 13.01.1971 bis zum 17.01.1971 veranstaltet Hertha BSC als erster Bundesligist unter der Leitung von Heinz Warneke, seit 1970 amtierender Direktor der geschichtsträchtigen Berliner Deutschlandhalle und später Vereinspräsident der Gesundbrunner, ein Hallen-Fußballturnier. 
Für dieses fünftägige Ereignis können die Bundesligisten Eintracht Braunschweig, Werder Bremen und der amtierende Deutsche Meister Borussia Mönchengladbach verpflichtet werden. Die beiden Berliner Regionaligisten Tennis Borussia und Wacker 04 runden das illustre Teilnehmerfeld ab.

Eintracht Braunschweig bestreitet das Turnier von Beginn an mit zwei Mannschaften, die Trainer Otto Knefler in dieser Zusammenstellung bereits seit einigen Wochen im Training gegeneinander hat spielen lassen. 
Hertha BSC folgt diesem Beispiel ab dem zweiten Turniertag, die beiden Mannschaften werden nun durchgehend auf der einer Seite von Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein und auf der anderen Seite von Co-Trainer Hans „Gustav“ Eder betreut.

Am ersten Abend bietet das Turnier, das im Spielmodus „Jeder gegen Jeden“ mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird, allerdings noch nixht das ganz große Spektakel, denn auf dem 50 x 25 Meter großen Holzparkett mit den lediglich 2 x 3 Meter großen Handballtoren fallen am ersten Spieltag lediglich fünf Tore.

Größere Tore für mehr Unterhaltung

Um die Attraktivität für die Zuschauer zu erhöhen, werden die Tore zum Beginn des zweiten Turniertages kurzerhand ausgetauscht, ab sofort wird auf 2 x 5 Meter große „Knabentore“ gespielt. Diese Veränderung zeigt sofort Wirkung, denn die Mannschaften, die die Spiele jeweils mit fünf Feldspielern bestreiten, suchen nun öfter den Torabschluss. Neben nun häufigeren Torerfolgen, können sich aber auch die Torhüter, bei Hertha BSC sind dies Volkmar Groß und Michael Kellner, vermehrt durch spektakuläre Paraden auszeichnen.

Sportlich und wirtschaftlich ein voller Erfolg

Für Hertha BSC ist dieses „1. Nationale Hallenfussballturnier“, wie es auf der Titelseite des offziellen Programmheftes prangt, durchweg ein Erfolg.

Die Blau-Weißen, für die Franz Brungs und Hans-Jürgen Sperlich mit jeweils vier Treffern die erfolgreichsten Torschützen sind, gewinnen nach fünf Siegen und drei Remis mit 13:7 Punkten und 16:11 Toren mit einem Punkt Vorsprung vor den punktgleichen Mannschaften von Werder Bremen und Eintracht Braunschweig den „sixtant cup“.


Borussia Mönchengladbach, dass sich erst ab dem dritten Turniertag so richtig auf den Hallenfußball einzustellen vermag, belegt den vierten Tabellenplatz vor den beiden mit jeweils lediglich sechs Punkten abgeschlagenen Mannschaften von Wacker 04 und Tennis Borussia.


An den fünf Turniertagen strömen 34.500 begeisterte Zuschauer in die Deutschlandhalle am Eichkamp und übertreffen damit alle Erwartungen. Der erste Versuch eines großen Hallen-Fußballturniers in der Winterpause ist somit mehr als gelungen.

Eine dauerhafte Erfolgsgeschichte

Die einzigartige Berliner Stimmung spricht sich schnell herum, so dass im folgenden Jahr neben dem erneuten Deutschen Meister aus Mönchengladbach und Vizemeister Bayern München mit Austria Salzburg die erste ausländische Mannschaft als Teilnehmer bei der zweiten Ausgabe des Turniers begrüßt werden kann.

Die Teilnehmerlisten der 1970er-Jahre führen weitere namhafte Bundesligisten, wie Eintracht Frankfurt, der Hamburger SV sowie der 1. FC Köln. Als internationale Gäste können attraktive Mannschaften, wie beispielsweise Fenerbahce Istanbul, Penarol Montevideo, Hadjuk Split und Grasshoppers Zürich an die Spree gelockt werden.

Zwischen 1971 und 1979 geht Hertha BSC sechsmal als Sieger vom Parkett, in den 1980er- und 1990er-Jahren folgen noch zwei weitere Turniersiege. Unabhängig vom sportlichen Erfolg der Blau-Weißen erfreut sich das Internationale Hallen-Fußballturnier beim Berliner Publikum und den teilnehmenden Mannschaften stets größter Popularität.

Im Januar 1997 wird die seit Ende der 1980er-Jahre im Rahmen von verschiedenen DFB-Wettbewerben angelegte Veranstaltung als dreitägiges Turnier zum 26. und letzten Mal in der Berliner Deutschlandhalle ausgetragen und beendet damit eine wunderbare Ära.


Veröffentlichungsdatum: 14.01.2018

 
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