HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •1960-1961
#HerthaMuseum (#51)
 

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1960/1961 – Berliner Meister und Rückkehr auf die nationale Fußball-Bühne


Nach dem Gewinn der Berliner Meisterschaft 1956/1957 müssen die Herthaner in den folgenden drei Spielzeiten als lediglich Tabellensechster zunächst den Veilchen von Tennis Borussia und danach als Tabellendritter sowie als Vizemeister zweimal der Mannschaft vom SC Tasmania 1900 die Berliner Fußball-Krone überlassen. Vor Beginn der Spielzeit 1960/1961 setzt sich Trainer Johannes „Hanne“ Sobek zum Ziel, seine Mannschaft auf den Berliner Fußball-Thron zurückzuführen.

Die Berliner Stadtliga (Vertragsliga)


Der Titelträger wird in der Saison 1960/1961 erneut in der seit 1958/1959 eingeführten dreifachen Spielrunde ermittelt. Jede der zehn teilnehmenden Mannschaften hat 27 Saisonspiele zu bestreiten und trifft dabei jeweils dreimal (heimwärts, auswärts und auf neutralem Platz) auf die anderen neun Mannschaften. Neben dem amtierenden Titelträger aus Neukölln hat sich Hertha BSC mit den beiden Aufsteigern BFC Südring und BSC Kickers 1900 sowie mit den Vereinen Berliner SV 1892, BFC Viktoria 1889, Hertha 03 Zehlendorf, Spandauer SV, Tennis Borussia und Wacker 04 zu messen.

Der Weg zur Berliner Meisterschaft


Am 21. Juni 1961 startet die „große“ Hertha mit einem Auswärtssieg durch einen von Peter Engler zum Tor des Tages verwandelten Elfmeter bei der „kleinen“ Hertha aus Zehlendorf vor 6.500 Zuschauern im Ernst-Reuter-Stadion. In den nächsten 19 Saisonspielen erringt die Elf von der Plumpe zwölf Siege und sieben Remis, darunter ein deutliches 5:1 (1:1) vor 20.000 Zuschauern im Neuköllner Stadion sowie ein 2:2 (1:1) vor 18.900 Zuschauern auf dem Herthaplatz (Plumpe) gegen den schärfsten Konkurrenten SC Tasmania 1900.

Nach 20 Spieltagen wird das Dilemma des noch ungeschlagenen Tabellenführers mit einem Durchschnittsalter von nur etwas über 23 Jahren deutlich. Nicht die lediglich zwei Trainingstage pro Woche – alle Spieler sind in der weiträumigen Viersektorenstadt Berlin berufstätig - stellen ein Problem dar, sondern die überschaubare sportliche Herausforderung in der Stadtliga. Dementsprechend äußert sich Trainer Johannes „Hanne“ Sobek in einer Ende Februar 1961 von der deutschen Fußball-Illustrierten „Kicker“ veröffentlichten Sonder-Reportage „Trotz Sektoren-Grenze - Ganz Berlin steht hinter Hertha“ entsprechend mit den Worten „Viel wichtiger als ein dritter Trainingstag wäre, unsere Spieler würden sonntags mehr gefordert!“

Tatsächlich gibt sich die blau-weiße Elf erst eine Blöße, nachdem der Meistertitel am 24. Spieltag durch ein 3:1 (1:1) im Mommsenstadion gegen den Spandauer SV endgültig gesichert ist. In der darauffolgenden Partie unterliegt die noch siegestrunkene Mannschaft dem entthronten Vorjahresmeister SC Tasmania 1900 vor 11.000 Zuschauern im Poststadion mit 0:1 (0:1). An den beiden letzten Spieltagen kehrt die Mannschaft jedoch umgehend in die Erfolgsspur zurück und verbucht zum Saisonende zwei deutliche Siege bei Wacker 04 mit 5:2 (2:2) und gegen BFC Viktoria 1889 mit 3:0 (1:0). Der mit sechs Punkten Vorsprung unangefochtene neue Titelträger beendet die Spielzeit mit 44:10 Punkten aus 18 Siegen, acht Remis und einer Niederlage. Mit 69:19 Toren stellt die Mannschaft von der „Plumpe“ zudem den besten Angriff sowie die beste Defensive. Die neun Heimspiele auf dem Herthaplatz (Plumpe) besuchen über 84.000 Anhänger, was Hertha BSC mit einem durchschnittlichen Zuschauerzuspruch von fast 9.350 auch den Spitzenplatz in der Zuschauertabelle einbringt.

Die Mannschaft


Die Leistungsträger der Blau-Weißen sind der als Assistenzarzt im Krankenhaus Moabit tätige Mannschaftskapitän Dr. Günter Schüler, der alle 27 Saisonspiele bestreitet sowie der „Dicke“ Helmut Faeder (26 Einsätze/17 Tore), Peter Engler (25/10) und Klaus Taube, der in lediglich elf Einsätzen zwölf Tore beisteuert. Weitere Stützen sind Jürgen Schmiege (26/0), Lothar „Wanze“ Groß (25/4), Hans-Günter Schimmöller (24/0), Peter Schlesinger (24/1), Lutz „Huscher“ Steinert (23/9) und Hans-Joachim „Atze“ Altendorff (20/6). Werner Lange (17/2), Rudolf Zeiser (13/6) sowie die beiden Torhüter Wolfgang Tillich (20 Einsätze/7 Gegentreffer) und Kurt Großmann (7/7) sind ebenfalls verlässliche Erfolgsgaranten auf dem Weg zum 17. Berliner Meistertitel. Der Meister-Kader wird komplettiert von Erhard Lossack (5/0), Lothar Philipp (2/0) sowie Wolfgang Schunack und Rudolf Deinert (jeweils 1/0).

Nahezu chancenlos auf nationaler Fußballbühne


In der Endrunde um die Deutsche Fußball-Meisterschaft 1960/1961 hängen die Trauben für den Berliner Vertreter in der Gruppe II allerdings sehr hoch, denn mit dem von Weltmeister Max Morlock angeführten siebenfachen nationalen Titelträger 1. FC Nürnberg, dem amtierenden deutschen Vizemeister 1. FC Köln mit Weltmeister Hans Schäfer und dem SV Werder Bremen, der in der vorangegangenen Spielzeit das Endspiel lediglich um einen Punkt verpasst hatte, warten drei hochkarätige Gegner auf die Mannschaft von Hertha BSC.

Am 20. Mai 1961 bilden 65.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion einen würdigen Rahmen für das erste Meisterschafts-Endrundenspiel der Spreeathener seit knapp vier Jahren. Ein Doppelschlag des 1. FC Nürnberg nach etwas mehr als einer Viertelstunde lässt die Euphorie bei den Anhängern allerdings schnell verfliegen. Trotz eines gleichwertigen Spiels mit ansprechenden Offensivaktionen sind die Hausherren aber nicht mehr in der Lage, die fortan taktisch klug und defensiv agierenden Gäste ernsthaft in Gefahr zu bringen, so dass es letztendlich beim 0:2 (0:2) bleibt.

Eine Woche später gerät Hertha BSC im Weserstadion noch früher in Rückstand, denn der SV Werder Bremen geht bereits nach 180 Sekunden in Führung. Nachdem Hans-Joachim „Atze“ Altendorff mit einem von Arnold „Pico“ Schütz verursachten Handelfmeter am reaktionsschnellen Torwart Heinrich Kokartis scheitert, wird mit zunehmender Spieldauer deutlich, dass der Mannschaft die Erfahrung aus Begegnungen mit spielstarken Gegnern fehlt. Trotzdem bleibt dem neutralen Beobachter nach dem 0:1 (0:1) aber auch nicht verborgen, dass die Blau-Weißen nicht immer nur leer ausgehen werden.

Sieben Tage später bewahrheitet sich diese Annahme beim 1. FC Köln im Müngersdorfer Stadion. Der Ausflug in den Westen wird nach einem einwöchigen Lehrgang in der Nähe der Domstadt für Trainer Johannes „Hanne“ Sobek und seine Mannen durch Treffer von Klaus Taube, Helmut Faeder und dem doppelten Torerfolg von Werner Lange mit einem sensationellen 4:3 (2:1) gekrönt. Schon eine Woche später kommt es im Berliner Olympiastadion vor 40.000 Besuchern zum erneuten Aufeinandertreffen beider Kontrahenten. Die Blau-Weißen präsentieren sich den Anhängern von ihrer besten Seite, die Partie bleibt trotz einer Berliner Drangperiode gegen den großen Gegner in der ersten Spielhälfte jedoch torlos. In der zweiten Halbzeit geht die Geißbock-Elf früh in Führung, die Helmut Faeder zwar zwischenzeitlich egalisieren kann, doch sechs Minuten vor Spielende erzielen die Gäste den spielentscheidenden Treffer zum 2:1 (0:0).

Im bedeutungslosen letzten Heimspiel unterliegt Hertha BSC vor lediglich 10.000 Zuschauern nach einer Pausenführung durch Hans-Joachim „Atze“ Altendorff noch mit 1:3 (1:0) gegen den SV Werder Bremen, bevor mit einem 3:3 (2:2) durch Treffer von Lutz „Huscher“ Steinert, Peter Engler und Werner Lange schlussendlich noch ein Punktgewinn bei den bereits für das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft qualifizierten „Clubberer“ aus Nürnberg gelingt.

Hertha BSC beendet die Endrunde nach lediglich einem Sieg, einem Remis und vier Niederlagen mit 3:9 Punkten bei 9:14 Toren auf dem vierten und somit letzten Tabellenrang der Gruppe II. Immerhin können sich die Blau-Weißen damit rühmen, die Saison mit einem Punktgewinn gegen die Noris-Elf, die sich im Endspiel gegen Borussia Dortmund nach 1948 erstmals wieder zum Deutschen Meister krönt, beendet zu haben - es ist die letzte Spielzeit für die Blau-Weißen vor der durch den Bau der Berliner Mauer bedingten innerstädtischen Teilung.

Veröffentlichungsdatum: 14.11.2020

 
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