HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •1969-1970
#HerthaMuseum (#33)
 

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"Die Rekord-Saison 1969/1970"

Nach dem Zwangsabstieg 1964 und dem 1968 im dritten Anlauf endlich vollbrachten Wiederaufstieg in die höchste deutsche Spielklasse, sichern sich die Berliner mit der phänomenalen Unterstützung von ligaweit mit weitem Abstand unerreichten 42.000 Zuschauern pro Heimspiel im Berliner Olympiastadion auf dem dreizehnten Tabellenrang bei drei Punkten Vorsprung auf einen Abstiegsplatz den Klassenerhalt in der Bundesliga-Saison 1968/1969.

Am 17. Juli 1969 begrüßt Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein auch dank der finanziellen Unterstützung durch den Verleger Axel Springer mit Wolfgang Gayer, Lorenz „Lenz“ Horr sowie dem 18-fachen deutschen Nationalspieler Bernd Patzke drei renommierte Neuverpflichtungen zum Trainingsbeginn im Stadion am Gesundbrunnen und formuliert die Erwartungen für die neue Saison mit den Worten „Unsere Zielsetzung ist in diesem Jahr ein guter Mittelplatz.“

Quo vadis, Hertha BSC?

Die Berliner starten nach einer zehntägigen Saisonvorbereitung in Bispingen in der Lüneburger Heide und einem 2:0-Testspielerfolg gegen den vor fünf Wochen im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister unterlegenen holländischen Vizemeister Ajax Amsterdam erfolgreich mit einem 1:0-Heimsieg gegen den MSV Duisburg vor knapp 80.000 Zuschauern in ihre vierte Bundesliga-Saison. Bereits am sechsten Spieltag kommt es zum ersten nachhaltigen Höhepunkt mit einem bis zum heutigen Tage bestehenden Rekord in der Beletage des deutschen Fußballs.

Fußball-Geschichte wird gemacht

Am Abend des letzten Freitags im Monat September gastiert die punktgleiche Mannschaft des 1. FC Köln im Berliner Olympiastadion. Offiziell 88.075 Besucher füllen das weite Rund der größten bundesdeutschen Fußball-Arena. Zeitzeugen dieser historischen Begegnung sprechen noch heute von weitaus mehr Zuschauern. So äußert auch Mannschaftskapitän Hans-Joachim „Atze“ Altendorff: „Es war schon etwas Besonderes. Das Stadion war schwarz vor Menschen, man hat keine Treppen und kein Marathontor gesehen. Ich glaube auch, dass es 100.000 Zuschauer waren.“ 
Hertha BSC gewinnt das Duell durch einen Treffer von Wolfgang Gayer mit 1:0, muss jedoch zuvor den verletzungsbedingten Verlust von Lorenz „Lenz“ Horr hinnehmen, der sich nach einem Zusammenprall mit Kölns Torwart Manfred Manglitz so schwer an der Schulter verletzt, dass er fast drei Monate pausieren muss.

Fünf Wochen später gastieren die Berliner an einem Donnerstagabend beim amtierenden Meister und Pokalsieger FC Bayern München, der zu diesem Zeitpunkt in fünf Heimspielen eine weiße Weste und als Tabellenführer umgerechnet vier Punkte mehr als Hertha BSC aufzuweisen hat. Nach dem Ausgleich durch Jürgen Weber, einem von Torhüter Gernot Fraydl parierten Foulelfmeter von Gerd Müller und dem Siegtreffer von Arno Steffenhagen, entführen die Berliner beide Punkte aus dem Städtischen Stadion an der Grünwalder Straße.

HA-HO-HE, Hertha BSC!“ oder die „Angst vorm bösen Wolf?“


Vier Tage nach diesem Triumph veröffentlicht das „kicker Sport MAGAZIN“ unter dem Titel des landesweit bekannten Anfeuerungsrufes der Blau-Weißen eine vierseitige Farbreportage über die aufgrund der mit Abstand höchsten Zuschauerzahlen mittlerweile scheinbar finanzkräftige, sportlich stetig aufstrebende und den Ligakontrahenten deshalb mehr als nur Respekt einflößende Mannschaft von Hertha BSC.

Die Hinrunde beenden die Berliner, die zuhause unbesiegt sieben der acht Partien für sich entscheiden, mit umgerechnet neun Punkten Rückstand auf Borussia Mönchengladbach auf einem zuvor nicht zu erwartenden vierten Tabellenplatz.

In der Rückrunde muss Hertha BSC im Monat April aufgrund von witterungsbedingten Spielausfällen gleich fünfmal innerhalb von 22 Tagen zuhause antreten. Der für den Verein und die Zuschauer gleichermaßen ungünstige Spielplan bringt den Blau-Weißen zwar vier Siege und ein Remis, führt aber auch dazu, dass bei einem weiteren vereinshistorischen Ereignis lediglich knapp 23.000 Zuschauer den Weg in das Berliner Olympiastadion finden.


Am 18.04.1970 empfängt der Tabellenvierte am vorletzten Spieltag die einen Punkt dahinter rangierende Mannschaft von Borussia Dortmund. Zur Halbzeitpause steht es durch drei Treffer von Wolfgang Gayer, zwei Tore von Lorenz „Lenz“ Horr und einem erfolgreichen Abschluss von Franz Brungs bereits 6:0 für die Berliner. In der zweiten Spielhälfte schrauben Wolfgang Gayer mit seinem vierten Treffer der Partie sowie Tasso Wild und Hermann Bredenfeld das Ergebnis auf 9:1 und bescheren damit Hertha BSC den bis zum heutigen Tage höchsten Bundesliga-Sieg in der blau-weißen Vereinshistorie.

Auf bestem Wege zur dritten Kraft in Deutschland

Die „Alte Dame“, die erneut mehr als 700.000 Zuschauer zu den 17 Heimspielen im heimischen Olympiastadion begrüßt, beschließt die Saison 1969/1970 mit einem 4:1 gegen Werder Bremen.

Mit einem seit der Winterpause unveränderten Punkterückstand gegenüber dem neuen Titelträger Borussia Mönchengladbach, von dem man sich in beiden Begegnungen jeweils mit 1:1 trennt und umgerechnet lediglich drei Punkte hinter dem FC Bayern München liegend, erreicht Hertha BSC einen den Hoffnungen weit übertreffenden dritten Tabellenplatz.

Die Garanten des Erfolges sind das Angriffstrio mit Franz Brungs (15 Treffer in 34 Spielen), Wolfgang Gayer (13 Treffer in 34 Spielen) und Lorenz „Lenz“ Horr (13 Treffer in 22 Spielen) sowie die viertbesten Defensive mit dem Torhüterduo Volkmar Groß und Gernot Fraydl und den Abwehrspielern Uwe Witt, Bernd Patzke und Karl-Heinz Ferschl, die lediglich 41 Gegentreffer zulässt. Die umgerechnet 65 Punkte aus 20 Siegen (14 davon im Olympiastadion) und fünf Remis bedeuten zudem eine in den folgenden 32 Spielzeiten in der höchsten deutschen Spielklasse bis zum heutigen Tage nicht wieder erreichte Bestmarke für Hertha BSC.

Wie hoch die Wertschätzung der geschichtsträchtigen Saison 1969/1970 in der Öffentlichkeit ist, zeigt die Aufmachung der Ausgabe der „Fußball-Woche“ vor dem ersten Spieltag der neuen Saison. Das Titelfoto des voll besetzten Berliner Olympiastadions trägt die Überschrift:

„Kommt der Meister 1971 aus Berlin?“


Veröffentlichungsdatum: 06.09.2019

 
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