HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •23.11.1963
#HerthaMuseum (#14)
 


#HerthaMuseum (#14)


Der erste Bundesliga-Heimsieg vor 55 Jahren gegen den 1. FC Saarbrücken (23.11.1963)


Vor 55 Jahren wartet die Mannschaft von Hertha BSC vor dem zwölften Spieltag bzw. dem sechsten Heimspiel der Saison 1963/1964 noch immer auf den ersten Sieg in der höchsten deutschen Spielklasse im heimischen Olympiastadion.

Abstiegskampf anstatt Titelanwärter

Nach dem 1:1 zum Bundesliga-Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg vor 52.000 Zuschauern und einem weiteren Remis mit 2:2 gegen den 1. FC Kaiserslautern vor 44.572 Besuchern, folgen jedoch drei Heimniederlagen.

Gegen den 1. FC Köln kommen zwar 85.411 Fans in das Berliner Olympiastadion, was einen Rekord für die gesamte Fußball-Bundesliga bedeutet, jedoch unterliegen die Blau-Weißen deutlich mit 0:3. 
Zwei weitere Heimniederlagen gegen Eintracht Braunschweig mit 1:2 sowie gegen Eintracht Frankfurt mit 1:3 offenbaren zudem ein abnehmendes Zuschauerinteresse, da zu diesen Partien lediglich noch 30.259 bzw. 23.272 Zuschauer den Weg in das Olympiastadion finden.Nach dem ersten Drittel der Saison ist es klar, dass Hertha BSC sicher nicht zu den Titelanwärtern gehört, sondern der Verbleib in der Fußball-Bundesliga als eindeutige Zielstellung auszugeben ist.

Umso mehr müssen nun die dafür erforderlichen Punkte in den verbleibenden zehn Heimspielen errungen werden.

Gegen das Tabellenschlußlicht endlich der erste Bundesliga-Heimsieg?

Nach dem 3:1-Auswärtssieg beim Meidericher SV am vierten Spieltag, dem ersten Bundesliga-Sieg in der Vereinsgeschichte, ist die Mannschaft deshalb fest entschlossen, im sechsten Anlauf endlich auch in einem Heimspiel einen doppelten Punktgewinn zu erringen.


Der 1. FC Saarbrücken unter Trainer Helmut Schneider, nach elf Spieltagen als Tabellen-letzter noch ohne einen einzigen Sieg, scheint der willkommene Gast zu sein, um den Bann für die Mannschaft von Namensvetter Josef „Jupp“ Schneider zu brechen.


Bundesliga-Fußball trotz Berliner Trauer

Samstag, der 23. November 1963, die Berliner Bevölkerung und die Mannschaft stehen unter dem Einfluß der Ermordung des 35. US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy in Dallas (U.S.A.), der nur fünf Monate zuvor dem Westteil der geteilten Stadt einen frenetisch umjubelten Besuch abgestattet und vor dem Rathaus Schöneberg den legendären Satz „Ich bin ein Berliner“ gesagt hatte.


Um 14:30 Uhr, also lediglich 19 Stunden nach dem Attentat, pfeift Schiedsrichter Pooch aus Lübeck die Partie zwischen den die beiden Abstiegsränge belegenden Mannschaften vor 24.941 Zuschauern im Berliner Olympiastadion an.


Mit Köpfchen zum Erfolg

Die Mannschaft um Helmut Faeder hat sich vor Beginn der Partie vorgenommen, zuerst einmal das eigene Gehäuse zu sichern.


Aber bereits nach elf Spielminuten wird diese Taktik durch die Saarländer über den Haufen geworfen, als sich der etatmäßige Mittelstürmer Harald Beyer als „Ausputzer“ in einem Duell mit Dieter Krafczyk im eigenen Strafraum verzettelt und Lothar „Wanze“ Groß mit seinem Klärungsversuch den Saarbrücker Friedel Reuther trifft, von dessen Körper der Ball den Weg in das von Wolfgang Tillich gehütete Gehäuse von Hertha BSC findet.

Trotzdem gleichen die Berliner die Saarbrücker Führung nur elf Minuten später nach einem von der rechten Seite getretenen Eckball durch Harald Beyer mit einem mustergültigen Kopfball aus. Wer nun auf eine Wende im Spiel hofft, sieht sich jedoch getäuscht, denn in der 38. Spielminute gelingt dem durch einen Steilpaß in Position gebrachten linken Flügelspieler Werner Rinaß mit einem wuchtigen und platzierten Torschuss aus der Drehung die 2:1-Führung für die Gäste.

Nach diesem Schock treten die Herthaner zur Halbzeitpause zum fünften Mal im sechsten Heimspiel den Gang in die Kabine mit einem Rückstand an.


Zu Beginn der zweiten Halbzeit baut die Mannschaft von Hertha BSC auf die bessere Kondition, die man sich aufgrund der harten Trainingseinheiten unter Josef „Jupp“ Schneider in den Wochen vor dem Saisonstart erarbeitet hat. Carl-Heinz Rühl, Heinz Beyer und Helmut Faeder sind im weiteren Spielverlauf von den Saarbrücker Gegenspielern Erich Rohe, Werner Hesse und Heinz Steinmann immer weniger zu stoppen.

In der 53. Spielminute kann Helmut Faeder eine schöne Flanke mit einem wuchtigen Kopfball zum 2:2 verwerten, bevor die Berliner in der 78. Spielminute eine Schreck-sekunde zu überstehen haben, als ein Scharfschuß von Heinz Steinmann an der Latte des Berliner Tores landet. Drei Minuten vor Spielende ist es dann endlich soweit. der gebürtige Berliner Carl-Heinz Rühl erzielt mit dem dritten Kopfballtreffer des Tages den 3:2-Siegtreffer, mit dem die Herthaner zugleich auf einen Nichtabstiegsplatz vorrücken.

Hertha-Trainer Josef „Jupp“ Schneider spricht danach von einem klassearmen, aber für Hertha BSC glücklichen Spiel mit endlich doppeltem Punktgewinn. Hans-Günter Schimmöller bewertet den Saarbrücker Auftritt zwar als gefälliger und freut sich, dass das Glück dieses Mal trotzdem auf blau-weißer Seite war, denn oft hatte Hertha BSC zuvor gut gespielt und war dennoch unterlegen.

Saarbrückens Stürmer Rainer Schönwälder hadert nach drei Kopfball-Gegentreffern mit seinem Torwart Dieter Haßdenteufel, dem er hierfür die Verantwortung zuschreibt. Trainer Helmut Schneider übt hingegen scharfe Kritik am Schiedsrichter und fühlt sich betrogen.


Für Hertha BSC zählt jedoch nur das lautstarke „Ha-Ho-He, Hertha BSC“, dass nach dem Schlusspfiff triuphierend durch das weite Rund des größten und schönsten bundesdeutschen Stadions hallt und Ausdruck der überschwenglichen Freude über den ersten Heimsieg von Hertha BSC in der Fußball-Bundesliga ist.


Zwei Bundesligisten - zwei verschiedene Richtungen

Die erste Bundesliga-Saison schließt die Mannschaft aus dem Ludwigsparkstadion auf dem sechzehnten und letzten Tabellenplatz ab und muss den Gang in die Regionalliga Südwest antreten.


Hertha BSC sichert sich hingegen am vorletzten Spieltag durch ein 3:1 gegen den TSV 1860 München vor 55.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion den Klassenerhalt.

Was wenige wissen: Im Januar 1965 wird verlautbart, dass der mittlerweile ehemalige Trainer des 1. FC Saarbrücken, Helmut Schneider, zur Bundesliga-Saison 1965/1966 das Traineramt von Josef „Jupp“ Schneider bei Hertha BSC übernimmt.

Dieses Vorhaben scheitert jedoch aufgrund der durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB) am 18. Mai 1965 ausgesprochenen Urteils zur Zurückstufung der Berliner in die Regionalliga nach der Saison 1964/1965 wegen Zahlung von überhöhten Handgeldern bei Vereinswechseln von Lizenzspielern (Verstoß gegen das Vertragsstatut).

Veröffentlichungsdatum: 23.11.2018

 
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