HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •24.08.1963
#HerthaMuseum (09)
 


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HerthaMuseum (#09)



Bundesliga-Auftakt gegen den 1. FC Nürnberg 1963 & 2018

Nahezu exakt 55 Jahre liegen zwischen dem 24. August 1963 und dem 25. August 2018, das Berliner Olympiastadion ist jeweils der Schauplatz für den Saisonauftakt der Fußball-Bundesliga, damals wie heute ist der 1. FC Nürnberg als Kontrahent zu Gast im Berliner Olympiastadion.

Die Gründung der Bundesliga

Am Samstag, dem 28. Juli 1962 wird auf dem 14. Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) im Goldsaal der Westfalenhalle in Dortmund nach mehrstündiger Debatte dem Antrag des DFB-Vorstandes Bundesliga mit Lizenzspielern zum 1. August 1963“ mit der notwendigen Zwei-Drittel-Mehrheit von 103:26 Stimmen stattgegeben.

Der DFB-Beirat legt kurz darauf die regionale Aufteilung der 16 Vereine der neu geschaffenen Fußball-Bundesliga fest. Der Süden und der Westen erhalten jeweils fünf Startplätze, der Norden darf drei, der Südwesten zwei Vereine entsenden. Das seit August 1961 von der Mauer eingeschlossene Berlin (West) wird mit einem Startplatz bedacht.


Am 31. Dezember 1962 endet die Bewerbungsfrist für insgesamt 74 Oberliga-Vereine der jeweilgen Landesverbände, letztendlich gehen beim DFB bis zum Stichtag 46 Bewerbungen ein.


Der DFB-Beirat hat zuvor die Grundlagen beschlossen, die für die Vergabe der begehrten sechzehn Lizenzen gelten. Die Hauptgewichtung liegt auf sportlichen Kriterien, aber auch wirtschaftliche und technische Voraussetzungen finden Berücksichtigung.


Hierzu wählt der DFB einen komplizierten Bewertungsschlüssel, der die sogenannte „Zwölfjahreswertung“ beinhaltet und das sportliche Abschneiden in der Oberliga (in Berlin Vertragsliga) seit 1951/1952 mit unterschiedlicher Gewichtung der jeweiligen Spielzeiten, aber auch die Teilnahmen an Pokal-Endspielen sowie Endrunden um die Deutsche Meisterschaft umfasst.

Zusätzlich ist der Nachweis eines Jahresumsatzes in Höhe von mindestens 400.000 DM zu erbringen, ein Stadion mit Flutlichtanlage und einer Zuschauerkapazität von mindestens 35.000 Zuschauern ist ebenfalls gefordert.

Am 11. Januar 1963 gibt der DFB die ersten neun Teilnehmer bekannt. Es sind die Vereine Werder Bremen, Borussia Dortmund, Eintracht Frankfurt, Gelsenkirchen, Hamburger SV, 1. FC Nürnberg, 1. FC Köln, 1. FC Saarbrücken – und Hertha BSC, den amtierenden Meister der Vertragsliga der Saison 1962/1963, als Berliner Vertreter.

Vier Monate später werden Anfang Mai 1963 die verbleibenden sieben Lizenzen an Eintracht Braunschweig, 1. FC Kaiserslautern, Karlsruher SC, Meidericher SV, TSV 1860 München, Preußen Münster und VfB Stuttgart vergeben.

Die Mannschaft der Bundesliga-Gründungssaison 1963/1964


Josef „Jupp“ Schneider, bisher Sportlehrer des Berliner Fußball-Verbandes (VBB) übernimmt zum Bundesliga-Start die Mannschaft von Johannes „Hanne“ Sobek.


Die Mannschaft um Kapitän Helmut Faeder, die nach einem Sieg, einem Remis und vier Niederlagen lediglich den dritten und somit vorletzten Platz in der Vorrundengruppe I um die Deutsche Meisterschaft 1962/1963 belegt, muss für das „Abenteuer Bundesliga“ unbedingt verstärkt werden.


Vier Spieler aus dem Westen verstärken die Blau-Weißen. Uwe Klimaschefski (von Bayer Leverkusen), Otto Rehhagel (von Rot-Weiß Essen), Harald Beyer (von Preußen Münster) sowie der gebürtige Berliner Carl-Heinz Rühl (von Viktoria Köln) können nach Berlin gelotst werden.


Der Verein, der zudem seit dem Mauerbau vom August 1961 sinkende Zuschauerzahlen und -einnahmen hinzunehmen hat, muss für diese vier neuen Spieler insgesamt 250.000 DM aufbringen. Die abgebenden Vereine erhalten jeweils eine Ablösesumme von 50.000 DM, das Handgeld beträgt 10.000 DM pro Spieler, dazu kommen weitere Nebenkosten in Höhe von 10.000 DM.


Eine Einschätzung der eigenen Lesitungsfähigkeit fällt schwer. Die eigene Reserve und Tennis Borussia können in Testspielen jeweils deutlich und torreich besiegt werden, es folgen jedoch Niederlagen beim belgischen Meister Standard Lüttich und gegen den niederländischen Meister PSV Eindhoven im heimischen Olympiastadion. Die Spieler wirken müde, der neue Trainer erachtet das fünfmalige Training in der Woche und die Testspiele jedoch als Mindestanforderung für den bald beginnenden Bundesliga-Alltag.


Und so titelt die „Illustrierte Berliner Zeitung“ dann auch „Hertha BSC in der Bundesliga - Titelanwärter oder Abstiegskandidat?“.

Der Start der Bundesliga am 24. August 1963

Am Samstag, den 24. August 1963 um 17:00 Uhr ist es endlich soweit. Der Spielplan beschert Hertha BSC ein Heimspiel zur Bundesliga-Premiere.

Und die Berliner erwartet gleich ein schwerer Gegner. Der 1. FC Nürnberg, bis dahin achtmaliger Deutsche Meister (zuletzt 1960/1961), ist die erste Hürde auf dem Weg zum wohl eher realistischen Ziel des Klassenerhalts.

Offiziell finden sich 50.074 Zuschauer im größten Stadion der Bundesrepublik ein, um Hertha BSC mit den Spielern Wolfgang Tillich, Otto Rehhagel, Hans-Günter Schimmöller, Paul Schlesinger, Hans Eder, Hans-Joachim Altendorff, Uwe Klimaschfski, Helmut Faeder, Carl-Heinz Rühl, Harald Beyer und Lutz Steinert gegen den „Club“ aus Nürnberg mit dem mittlerweile 38-jährigen Weltmeister Max Morlock zu unterstützen.

Beide Mannschaften beginnen zunächst nervös, nach einem Lattentreffer vom Nürnberger Stürmer Richard Albrecht scheinen die Herthaner etwas besser ins Spiel zu kommen, jedoch kann Uwe Klimaschefski den Ball aus aussichtsreicher Position nicht platziert auf das Tor der Franken bringen.

Es folgen zwei weitere Lattentreffer durch die nun ebenfalls zielstrebiger zu Werke gehenden „Clubberer“, ehe schließlich Max Morlock nach Flanke von Richard Albrecht das gewonnene Kopfballduell als eigene Vorlage nutzt und die Gäste in der 40. Spielminute mit einem Schuss aus spitzem Winkel durchaus verdient mit 1:0 in Führung bringt, was auch gleichzeitig den Halbzeitstand bedeutet.

In der zweiten Halbzeit kann der „Club“-Torwart Roland Wabra einen Berliner Eckball lediglich zu kurz klären, der Ball springt Max Morlock unglücklich an die Hand und Schiedsrichter Rolf Seekamp aus Bremen entscheidet unter dem Jubel der Zuschauer auf Hand-Elfmeter. Hans-Günter Schimmöller tritt an und trifft in das linke Eck des Nürnberger Gehäuses zum 1:1 und ist somit zugleich der Torschütze des ersten Bundesliga-Tores für Hertha BSC.

Nach ungenutzten Chancen durch Max Morlock und Gustav Flachenecker auf Seiten des 1. FC Nürnberg sowie Helmut Faeder für die Herthaner, bleibt es letztendlich beim für beide Seiten wohl gerechten Remis in dieser geschichtsträchtigen Partie.


Quo Vadis 1. FC Nürnberg & Hertha BSC?


Auch zum Auftakt der 56. Bundesliga-Saison treffen beide Mannschaften im Berliner Olympiastadion erneut aufeinander, wobei die Vorzeichen in 2018 unterschiedlich zu 1963 sind.

Der „Club“ reist nach dem achten Abstieg in der Vereinsgeschichte im Jahre 2014 als Bundesliga-Neuling in die Hauptstadt, während die Mannschaft von Pál Dárdai als nunmehr ältester in der Bundesliga vertretener Verein mittlerweile zum siebten Mal in Folge in die höchste deutsche Spielklasse startet.


Veröffentlichungsdatum: 23.08.2018

 
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