HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •Amerika-Reise
#HerthaMuseum (#26)
 

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Amerika-Reise 1970

Am 03.05.1970 beendet Hertha BSC die Bundesliga-Saison 1969/1970 nach einem 3:1 vor heimischen Publikum gegen Werder Bremen hinter dem neuen deutschen Meister Borussia Mönchengladbach und dem FC Bayern München auf einem erfolgreichen dritten Tabellenplatz. 28 Tage später beginnt die neunte Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko, doch für die Herthaner ist noch lange nicht an eine Sommerpause zu denken.


Andere Länder, andere Sitten


So macht sich die bis auf Bernd Patzke, der in den WM-Kader berufen ist, komplette Mannschaft von Helmut „Fiffi“ Kronsbein auf den Weg in die U.S.A., um neben vier Freundschaftsspielen auch sechs Partien im Rahmen des "International Cup" auszutragen, die für die teilnehmenden US-amerikanischen Mannschaften sogar in die Wertung der nationalen Meisterschaft der North American Soccer League (NASL) eingehen.


Neben 
Hertha BSC treten noch Coventry City aus England, Hapoel Petah Tikva aus Israel und Varzim SC aus Portugal jeweils sechsmal gegen die Mannschaften Rochester Lancers, Kansas City Spurs und Dallas Tornado aus der Northern Division sowie gegen Washington Darts, Atlanta Chiefs und St. Louis Stars aus der der Southern Division an.

Auch politische und wirtschaftliche Interessen spielen in dieser Zeit eine gewichtige Rolle, denn Hapoel Petah Tikva trägt letztendlich lediglich fünf Partien aus, da der Eigentümer von Dallas Tornado, Lamar Hunt, davon ausgeht, dass sich ein Spiel seiner Mannschaft gegen eine israelische Mannschaft negativ auf dessen Ölgeschäfte mit arabischen Staaten auswirken könne.

Nachdem die Berliner am 08.05.1970 die erste Begegnung in Washington D.C. gegen die „Darts“ durch zwei Treffer von Franz Brungs mit 2:0 für sich entscheiden, folgt bereits vier Tage später der nächste Erfolg mit 3:1 durch zwei weitere Tore von Franz Brungs sowie einem Treffer von Wolfgang Gayer gegen die Rochester Lancers aus dem Bundesstaat New York im Aquinas Stadium.


Dass sich der Fußballsport in den U.S.A. zu dieser Zeit noch in den Anfängen befindet, zeigt sich durch die eigenartig anmutende Punktewertung in der „NASL“. Da Mannschaften für einen Sieg sechs Punkte, für ein Remis drei Punkte und für geschossene Tore bei einer Niederlage bis zu drei Bonuspunkte erzielen, können die unterlegenen „Lancers“ trotzdem einen Punkt verbuchen und sich sogar im weiteren Saisonverlauf in zwei Endspielen den Meistertitel der NASL gegen die Washington Darts sichern.


Deutschland vs. England & Mexiko in „Freundschaft“


Innerhalb von drei Tagen treffen die Blau-Weißen danach in zwei knochenhart geführten Freundschaftsspielen auf Coventry City. Einem 0:1 in Chicago, Illinois folgt in der Autostadt Detroit, Michigan durch Treffer von Franz Brungs und Arno Steffenhagen ein 2:0 gegen den Tabellensechsten der englischen „First Division“.


Nachdem Hertha BSC auch die dritte Partie im „International Cup“ durch jeweils einen Doppelpack von Franz Brungs und Wolfgang Gayer mit 4:2 bei den „Stars“ aus St. Louis, Missouri siegreich gestaltet, reisen die Berliner nach Kalifornien, um innerhalb von 72 Stunden in San Francisco sowie im Olympiastadion von Los Angeles zweimal gegen den mexikanischen Meister CD Guadelajara anzutreten. Hierbei behalten die Blau-Weißen mit 2:0 (Tore durch Jürgen Weber und Lorenz Horr) und 2:1 (Treffer von Franz Brungs und Lorenz Horr) gegen die am Rande der Fairneß agierenden Mexikaner jeweils die Oberhand.

Der Ausklang

Von Kalifornien macht sich der Hertha-Troß nach Texas auf, wo die Mannschaft in Dallas auf die „Tornados“ trifft. Hermann Bredenfeld mit zwei Treffern sowie Franz Brungs und Bernd Laube sorgen für einen 4:2-Erfolg. Zwei Tage später kehren die Herthaner nach Missouri zurück, um sich dieses Mal in Kansas City mit den „Spurs“ zu messen. Lorenz Horr und Jürgen Weber sichern mit ihren Toren beim 2:1 den achten Sieg für Hertha BSC bevor man sich in der zehnten und letzten Partie in Atlanta, Georgia am 31.05.1970 nach einer durch Lorenz Horr und Franz Brungs erzielten 2:0-Führung mit 2:2 von den „Chiefs“ trennt.


Noch in Atlanta kürt der Generalskretär der NASL, Phil Woosman, die Herthaner spontan zum „Meister von Nordamerika“ und lobt das Auftreten als vorbildlich. Die Berliner reisen anschließend nach New York City, von wo aus sich die blau-weiße Delegation auf der „Hanseatic“ auf die mehrtägige Schiffspassage über den Atlantik nach Deutschland begibt.

Unvergessliche Erlebnisse in Nordamerika

Rund 15.000 teils abenteuerliche und anstrengende Flugkilometer von der Ost- bis zur Westküste und zurück, zahlreiche Hotels und vielfältige kulinarische Erfahrungen in ungewohnter Bandbreite, zehn sportliche Begegnungen vor insgesamt 50.000 Zuschauern auf Spielfeldern, die dem Nationalsport Baseball geschuldet teilweise gleichzeitig auf Asche und Rasen auszutragen waren, aber auch Freizeitaktivitäten, wie der Besuch von Disneyland in Los Angeles oder des Empire State Building in New York City – diese Reise bleibt allen Beteiligten für immer im Gedächtnis.

Noch auf der Überfahrt resümiert Helmut „Fiffi“ Kronsbein mit den Worten: „Ich danke hiermit meiner Mannschaft. Seit Februar steht sie unter Volldampf, und doch hat sie sich auch jetzt noch in Amerika hervorragend geschlagen“. In Richtung der blau-weißen Anhänger verlautet er augenzwinkernd „Am 14. Juli, unserem ersten Trainingstag bin ich wieder ansprechbar. Bis dahin: ausspannen. ...Wer mich in diesen Wochen auf Fußball anspricht, wird erschossen“.

Veröffentlichungsdatum: 15.05.2019
 
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