HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Meistertorwart & Lebensretter"

Paul Gehlhaar

Zur Saison 1927/1928 verpflichtet Hertha BSC den 22-jährigen Ostpreußen vom Kontrahenten VfB Königsberg, mit dem sich die Berliner nicht zuletzt wegen der herausragenden Fähigkeiten von Paul Gehlhaar in den Meisterschaftsendrunden der Jahre 1925 bis 1927 dramatische Duelle liefert.

Keine „Viktoria“ ohne Gehlhaar

In seinen ersten beiden Berliner Spielzeiten erringt er gegen Tennis Borussia in jeweils drei Endspielen den Verbandstitel und erreicht zweimal das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft, jedoch muss er sich mit seiner Mannschaft beide Male dem Hamburger SV und der Spielvereinigung Fürth geschlagen geben.


Nachdem Hertha BSC in der Saison 1929/1930 den Verbandstitel erneut gegen Tennis Borussia erfolgreich verteidigt, steht nach dem Sieg im Achtelfinale gegen den Beuthener Spiel- und Sportverein 1909 die schwere Aufgabe bei der Spielvereinigung Köln-Sülz 07 auf dem Programm.

In dieser Partie avanciert Paul Gehlhaar zum Helden, denn nur seinen zahlreichen Glanzparaden ist es zu verdanken, dass das 1:1 bis zum Ende der Verlängerung gehalten und damit ein Wiederholungsspiel ermöglicht wird, welches dann deutlich mit 8:1 gewonnen wird.

Durch ein 6:3 im Semifinale gegen den 1.FC Nürnberg in Leipzig, steht die Mannschaft zum fünften Mal in Folge im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Nach zweimaligem Rückstand gewinnt Hertha BSC durch den späten Siegtreffer von Hans „Hanne“ Ruch in einem dramatischen Endspiel mit 5:4 gegen Holstein Kiel und sorgt für den ersten Gewinn der „Viktoria“ in der Vereinsgeschichte.

Ein Jahr später wiederholt Paul Gehlhaar, der nach einer früheren schweren Schädelverletzung eine Mütze mit Stahleinlage trägt, mit seiner Mannschaft durch ein 3:2 gegen den Sportverein München 1860 diesen Triumph, der für den Verein zugleich auch den Schlusspunkt hinter sechs aufeinanderfolgende Endspielteilnahmen setzt.

Nach dem knapp verpassten Einzug in das Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft 1935 endet für den zweimaligen Nationaltorwart kurz darauf die Zeit als aktiver Spieler für Hertha BSC.

Im April 1936 wird Paul Gehlhaar „in Anerkennung seiner langjährigen und erfolgreichen Mitarbeit, seines opferfreudigen und unermüdlichen Eintretens für die Ziele des Fußballsports“ der Ehrenbrief des Deutschen Fußball-Bundes verliehen.

Der Lebensretter


Seine größte Tat vollbringt Paul Gehlhaar jedoch abseits des Fußballplatzes. Am Pfingstmontag des Jahres 1933 rettet er einen vierjährigen Jungen aus dem Stadtkanal in Potsdam vor dem Ertrinken. Sein entschlossenes und mutiges Verhalten wird als Anerkennung im Amtsblatt für den Landespolizeibezirk Berlin öffentlich bekanntgegeben und der Tagespresse mitgeteilt.


Erfolgreich auch als Trainer


Aber auch als Trainer ist Paul Gehlhaar für Hertha BSC erfolgreich. In der Saison 1953/1954 führt er die Mannschaft um den jungen Helmut Faeder von der Amateur- in die Vertragsliga und bildet damit die Grundlage, die den Verein zu einem Anwärter für die knapp ein Jahrzehnt später gegründete Bundesliga wachsen lässt.


Sein letzter Kampf


Als Hertha BSC am letzten Spieltag der Aufstiegsrunde die bereits feststehende Rückkehr in das deutsche Fußball-Oberhaus mit einem torlosen Remis gegen den SV Alsenborn vor 80.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion feiert, kann Paul Gehlhaar trotz seiner Tribünenkarte aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr daran teilnehmen.


Eine Woche später erliegt Paul Gehlhaar im Westend-Krankenhaus den Folgen einer sich bereits seit Jahren verschlimmernden Erkrankung. Am 5. Juli 1968 wird Paul Gehlhaar unter großer Anteilnahme und im Beisein seiner ehemaligen Mannschaftskameraden, darunter Johannes „Hanne“ Sobek, Rudolf „Rudi“ Wilhelm und Alfred „Fredy“ Götze sowie zahlreicher weiterer Fußballprominenz, auf dem Friedhof der Dankes- und Nazareth-Kirche in Berlin-Reinickendorf zu Grabe getragen.


Höchste Wertschätzung


Welch hohes sportliches und menschliches Ansehen dem sehr beliebten und von allen Seiten hoch geschätzten Paul Gehlhaar zuteil wird, macht der Name des Verfassers des Nachrufes in den Hertha BSC Club-Nachrichten im Juli 1968 deutlich.


Kein Geringerer als Alfred „Fredy“ Götze, damaliger etatmäßiger Torhüter und Endspielteilnehmer 1926 und 1927, der Paul Gehlhaar seinen Stammplatz im November 1927 überlassen musste und ihm somit der Gewinn der Deutschen Meisterschaft verwehrt blieb, würdigt mit ausführlichen und aus tiefstem Herzen geschriebenen Worten die Persönlichkeit und Lebensleistung von Paul Gehlhaar, dem einzigen Meistertorwart in der Vereinsgeschichte von Hertha BSC.


Veröffentlichungsdatum: 30.06.2019

 
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