HERTHA BSC MUSEUM 1892
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Theo Gries – blau-weißer Torgarant & Publikumsliebling

Nach zwei Jahren in der Oberliga Berlin steht Aufsteiger Hertha BSC mit nur zwei Siegen aus zwölf Spielen auf dem neunzehnten und vorletzten Tabellenrang der 2. Bundesliga der Saison 1988/1989. Die Berliner verpflichten Trainer Werner Fuchs vom Liga-Konkurrenten 1. FC Saarbrücken, der die Mannschaft von Jürgen Sundermann übernimmt. Nach dem ersten Punktgewinn unter dem neuen Übungsleiter wird jedoch deutlich, dass der angestrebte Klassenerhalt für die mit 17 Gegentoren in der Defensive recht stabil auftretenden Berliner ohne eine entsprechende Offensive nicht erreicht werden kann. Die lediglich acht erzielten Treffer sind mit Abstand die schlechteste Ausbeute in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, denn selbst die SG Union Solingen als Tabellenschlusslicht hat einen Treffer mehr erzielt. Kurzerhand spricht sich Werner Fuchs für die Verpflichtung von Theo Gries vom Liga-Konkurrenten Alemannia Aachen aus, der den 27-jährigen offensiven Mittelakteur bereits zuvor in zwei Spielzeiten von 1985 bis 1987 in der Kaiserstadt trainiert hat.

Glücksgriff mit Torgarantie


Die Verpflichtung des in Mittelbrunn in Rheinland-Pfalz gebürtigen Neu-Herthaners erweist sich sofort als Glücksgriff. Am 29. Oktober 1988 debütiert Theo Gries im blauweißen Trikot und erzielt den Führungstreffer (36.) und bildet damit den Grundstein für den ersten Heimsieg der laufenden Saison beim 3:1 (2:0) gegen Viktoria Aschaffenburg vor 5.713 Zuschauern im Berliner Olympiastadion. Auch eine Woche später sichert er seiner Mannschaft mit seinem Ausgleichtreffer (70.) einen hochverdienten Auswärtspunkt beim 1:1 (0:0) bei SV Darmstadt 98. In seinen folgenden 22 Einsätzen steuert Theo Gries weitere sieben Tore bei und avanciert mit neun Treffern zum torgefährlichsten Spieler seiner Mannschaft, die mit ihm in 24 Spielen insgesamt 27:21 (36) Punkte bei 37:26 Toren erzielt und als Tabellenvierzehnter mit zwei Punkten Vorsprung den Klassenerhalt sichert.


Krönung einer denkwürdigen Saison


Auch in der ersten Begegnung der Saison 1989/1990 trifft Theo Gries für Hertha BSC, sein Foulelfmeter (89.) setzt den Schlusspunkt zum 2:0 (0:0) gegen Preußen Münster. Ein Erfolg, der den Auftakt zu einer in mehreren Aspekten denkwürdigen Spielzeit bildet, denn bereits Ende Oktober 1989 platzieren sich die Berliner nach einem 3:1 (0:1) gegen Alemannia Aachen erstmalig in der seit 15 Spieltagen laufenden Saison an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga. Gegen seinen ehemaligen Verein steuert Theo Gries seinen siebten Saisontreffer (79.) zum Endstand von 3:1 (0:1) bei. Allerdings hat Hertha BSC die nächsten beiden Partien beim Tabellenzweiten 1. FC Saarbrücken und gegen den Tabellendritten SG Wattenscheid 09 zu bestreiten. Nach dem 0:3 (0:2) in der saarländischen Landeshauptstadt ahnt zu diesem Zeitpunkt niemand, dass das folgende Heimspiel aus einem ganz anderen Grund in die Vereinsgeschichte eingehen wird. In den Abendstunden des 9. November 1989 verkündet die DDR eine Reiseregelung, die in den folgenden Stunden in eine dauerhafte Öffnung der Berliner Mauer mündet. Nicht einmal 48 Stunden später feiern die inoffiziell weit über 50.000 Zuschauer aus Ost und West beim 1:1 (0:1) von Hertha BSC gegen die SG Wattenscheid 09 im Berliner Olympiastadion die allseits empfundene Wiedervereinigung, die sportliche Brisanz des Aufeinandertreffens der beiden Aufstiegsaspiranten tritt dabei vollends in den Hintergrund.


Die einzigartige Stimmung in der zuvor mehr als 28 Jahre geteilten deutschen Metropole scheint die Mannschaft zu hemmen, denn nur drei Tage später muss man beim SC Fortuna Köln mit einem weiteren 0:3 (0:2) die zweite Auswärtsniederlage in Folge hinnehmen. Danach fängt sich die Elf jedoch wieder und verbucht vier Siege und ein Remis. Auch Theo Gries ist maßgeblich daran beteiligt, dass Hertha BSC zum Weihnachtsfest den zum direkten Aufstieg berechtigenden zweiten Tabellenplatz belegt. Sowohl beim 6:2 (4:1) bei Preußen Münster als auch beim 4:1 (2:0) gegen SV Darmstadt 98 gelingt ihm jeweils ein Dreierpack. Bevor es im neuen Jahr im Liga-Alltag weitergeht, erlebt die Mannschaft beim 2:1 (1:1) in einem Freundschaftsspiel und von einem Logistikdienstleister finanziell unterstützen „Wiedervereinigungsspiel“ gegen den 1. FC Union Berlin vor erneut über 50.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion einen weiteren emotionalen Höhepunkt. In den folgenden elf Saisonspielen bleibt Hertha BSC achtmal Sieger (bei zwei Remis und lediglich einer Niederlage) - darunter ein 3:0 (2:0) im Lokal-Derby gegen Blau-Weiß 90, bei dem Theo Gries zwei Treffer gelingen. Am 1. Mai 1990 ist es dann an der ehemaligen Wirkungsstätte von Trainer Werner Fuchs und Theo Gries dann endlich soweit. Fünf Minuten vor Spielende gelingt dem Pfälzer der Führungstreffer bei Alemannia Aachen, der späte Ausgleichstreffer der Gastgeber ist lediglich Makulatur – Hertha BSC kehrt mit diesem Punktgewinn nach acht Jahren Abstinenz in die höchste deutsche Spielklasse zurück und sichert sich letztendlich auch erstmalig den Meistertitel der 2. Bundesliga. Theo Gries, der neben Torhüter Walter Junghans und Thorsten Gowitzke alle 38 Saisonspiele bestreitet, erzielt als Top-Torschütze 18 der von Hertha BSC insgesamt erzielten 65 Tore.


In der 1. Bundesliga agieren die Blau-Weißen in der Saison 1990/1991 aufgrund von begrenzten finanziellen Mitteln und einigem Verletzungspech am Rande der Konkurrenzfähigkeit. Auch Theo Gries, der sich neben Sven Kretschmer mit sechs Treffern in 28 Spielen erneut zum erfolgreichsten Torschützen der Spreeathener kürt, kann trotz der drei zwischenzeitlichen Trainerwechsel von Werner Fuchs zu Pàl Csernai, Peter Neururer und Karsten Heine, den dritten sportlichen Abstieg nach 1980 und 1983 als abgeschlagenes Tabellenschlusslicht nicht abwenden.

Schwierige Phase nach dem Wiederabstieg

Die folgende Saison 1991/1992 in der 2. Bundesliga Nord beendet Theo Gries mit elf Toren in verletzungsbedingt lediglich 23 Einsätzen erneut als bester Torschütze der Blau-Weißen, die die Saison unter Trainer Bernd Stange nach 22 Spielen in der Punkterunde auf dem sechsten Tabellenrang und zehn weiteren Partien in der Meisterrunde auf dem dritten Tabellenplatz beenden.


Nachdem die abgelaufene Saison wegen der Aufnahme der Vereine der ehemaligen DDR in einer Nord- und Südstaffel ausgespielt wurde, erfolgt zur Saison 1992/1993 die Rückkehr zur eingleisigen 2. Bundesliga mit 24 teilnehmenden Mannschaften. Und in dieser einmalig langen Spielzeit zeigt sich erneut, warum Theo Gries zum Publikumsliebling von Hertha BSC aufgestiegen ist. Er bestreitet unter Trainer Günter Sebert als einziger Herthaner alle 46 Saisonspiele und krönt sich mit 23 Treffern beim Tabellenfünften, der sich nach der Hinrunde noch in unmittelbarer Abstiegsgefahr befunden hatte, zum fünften Mal in Folge zum erfolgreichsten Torschützen der Herthaner.


Der bittere Abschied


Die Saison der 2. Bundesliga 1993/1994 beginnt für Hertha BSC recht vielversprechend. Nach zwölf Spieltagen rangieren die Berliner in Schlagdistanz zu den Aufstiegsplätzen auf dem achten Tabellenrang. Theo Gries thront mit sechs Treffern erneut an der Spitze der blau-weißen Torschützenliste. Die Berliner entbinden Günter Sebert trotzdem von seiner Verantwortung und präsentieren Uwe Reinders als neuen Trainer, unter dem die Mannschaft in den nächsten fünf Partien aber keinen einzigen Punktgewinn verbuchen kann und auch Theo Gries keine weiteren Treffer erzielt. Seinen letzten Auftritt im Trikot von Hertha BSC verbucht Theo Gries am 28. November 1993, als er in der Partie gegen Bayer 04 Uerdingen acht Minuten vor Spielende beim Stand von 1:1 für Carsten Ramelow eingewechselt wird. Wenig später bittet der Trainer ihn, Torwart Walter Junghans und Abwehrspieler Ulrich Bayerschmidt in die Geschäftsstelle von Hertha BSC, wo Uwe Reinders den drei Spielern unmissverständlich mitteilt, dass deren Dienste nicht mehr benötigt werden und das Präsidium die Verträge demzufolge auflösen wird. Zehn Jahre später äußert sich Theo Gries in einem Interview mit den Worten „Das hat mich tief getroffen, ich habe auch geweint an meinem letzten Tag bei Hertha. Es war, als hätte man mir das Herz rausgerissen, denn ich hing an keinem Verein so sehr wie an Hertha BSC. Ich habe auch drei oder vier Jahre gebraucht, bis ich das verarbeitet hatte“ sehr offen über seinen damaligen Gemütszustand.

Während Uwe Reinders und Ronald Worm die Verantwortung für die Mannschaft nach lediglich zwei Siegen, vier Remis und sechs Niederlagen nach nur fünf Monaten im März 1993 wieder entzogen wird, kann sich Theo Gries, der 185 Pflichtspiele für die Blau-Weißen betritten und mit 67 Treffern die meisten Tore für Hertha BSC in der 2. Bundesliga erzielt hat, auch 30 Jahre nach seiner Zeit im blau-weißen Trikot der höchsten Wertschätzung der Fans von Hertha BSC erfreuen.

Veröffentlichungsdatum: 10.02.2021

 
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