HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Ein König im Tor von Herthas Jahrhundertelf"


Gabor Kiraly


Im April und Juni 1997 beobachtet Bernd Storck, Co-Trainer von Hertha BSC, einen aufstrebenden 21-jährigen ungarischen Torwart bei zwei Qualifikationsspielen zur U21-Europameisterschaft gegen die Schweiz und Norwegen. Nach einem folgenden dreitägigen Probetraining beim Bundesliga-Aufsteiger entscheidet sich Hertha BSC für eine Verpflichtung des jungen Torwart-Talents.Der Name des Torhüters, der auch wegen seiner Arbeitskleidung - einer grauen Schlabberhose - über die Jahre Kultstatus erreicht, ist Gábor Király, zu deutsch „König“.

Pokal-Aus & Bundesliga-Sieg bei Pflichtspiel-Debüts

Es ist Samstag, der 20.09.1997, 17:15 Uhr. Hertha BSC ist beim Versuch, am siebten Spieltag endlich den ersten Saisonsieg zu erringen, gescheitert und unterliegt trotz aussichtsreicher aber vergebenen Torchancen deutlich mit 0:4 bei Hansa Rostock. Zwei Remis, fünf Niederlagen, 15 Gegentore - bei Chef-Trainer Jürgen Röber und Torwart-Trainer Enver Marić reift der Entschluss, einen Wechsel im Hertha-Tor, dass durch den langjährigen, aber zuletzt glücklos agierenden Stammtorhüter Christian Fiedler gehütet wird, vorzunehmen.

Vier Tage später gastieren die Hauptstädter in der 2. Runde um den DFB-Pokal beim VfB Stuttgart im Gottlieb-Daimler-Stadion. Am Vorabend dieser Partie ruft Jürgen Röber die ungarische Neuerwerbung in sein Zimmer und teilt Gábor Király mit, dass dieser das Tor gegen die favorisierten Schwaben hüten wird und bereit sein soll. Der Debütant kann das Ausscheiden nach einem unglücklichen Eigentor und einem verwandelten Foulelfmeter zwar nicht verhindern, dennoch ist es sicher, dass es nicht nur bei diesem einen Auftritt bleibt.

Am Sonntag, den 28.09.1997 geht es im heimischen Olympiastadion gegen den 1. FC Köln, der zwar nur einen Tabellenplatz vor Hertha BSC rangiert, aber bereits fünf Punkte mehr als die Berliner aufzuweisen hat. Noch heute erinnert sich Gábor Király an fast alle Aktionen, an die tolle Stimmung im Olympiastadion und besonders daran, dass er in seinem Bundesliga-Debut ohne Gegentor bleibt und seine Mannschaft vor 44.917 Zuschauern durch einen Treffer von Eyjólfur „Jolly“ Sverrisson verdient den ersten Saisonsieg erringt.

Erfolgreiche Hertha-Jahre

Nach seinem Debut-Sieg erringt Gábor Király mit der Mannschaft elf weitere Siege und trägt mit lediglich 38 Gegentoren in 26 Spielen maßgeblich zum Klassenerhalt als Tabellenelfter in der Saison 1997/1998 bei. Anfang August 1998 wird Gábor Király eine besonders für einen Torhüter ungewöhnliche Ehre zuteil. Die Zuschauer der ARD-Sportschau wählen seinen Treffer zum 1:0 per Handabschlag von der eigenen Strafraumgrenze im Finale eines Vorbereitungsturnier in Heiidesheim gegen den Karlsruher SC zum Tor des Monats Juli 1998.

Die Saison 1999/2000 beenden die Herthaner mit 62 Punkten bei nur 32 Gegentoren auf dem dritten Tabellenrang und qualifizieren sich nach zwei Qualifikationsspielen gegen Anorthosis Famagusta aus Zypern für die Gruppenphase der UEFA Champions League. Hierbei bleiben drei Spiele in ganz besonderer Erinnerung, es sind die beiden Heimsiege gegen AC Mailand (1:0) und FC Chelsea (2:1) sowie das legendäre Nebelspiel gegen FC Barcelona (1:1) im Berliner Olympiastadion.

Die Bundesliga-Saison 1999/2000 schließt die Mannschaft trotz der Doppelbelastung als Tabellensechster ab und ist für den UEFA Cup qualifiziert, dies gelingt der Mannschaft auch in den folgenden drei Spielzeiten. Darüberhinaus gewinnt Gábor Király mit Hertha BSC auch zweimal, jeweils gegen Gelsenkirchen, den DFB-Ligapokal in 2001 und 2002.

Ob es das Tor des Monats September 2000 bzw. das Tor des Jahres 2000 von Alex Alves gegen den 1. FC Köln am 30.09.2000 oder das Vier Tore-Spiel von Bart Goor gegen den Hamburger SV am 10.03.2001 ist, Gábor Király ist bei beiden denkwürdigen Spielen im Berliner Olympiastadion mit von der Partie.

Ein Spiel von Gábor Király bleibt aber auch abseits der sportlichen Relevanz für Hertha-Experten außergewöhnlich und taugt bestens als Fragestellung für ein Hertha-Quiz. Gábor Király, der pro Spielzeit 20-30 Exemplare seiner immer eine Nummer zu großen grauen Jogginghose verbraucht, läuft im Hinspiel der 1. Runde um den UEFA Cup gegen den polnischen Vertreter Groclin Grodzisk vor 23.142 Zuschauer im Olympiastadion am 24.09.2003 tatsächlich noch einmal in einer lindgrünen kurzen Hose auf.

Als sicherer Rückhalt gibt er den Stammplatz im Tor von Hertha BSC, abgesehen von relativ kurzen verletzungsbedingten Pausen (Anfang Februar 2000 bis Mitte März 2000 sowie Mitte November 2001 bis Anfang Februar 2002) bis zur Winterpause im Dezember 2003 nicht mehr ab. Am 22.05.2004, dem 34. Spieltag der Saison 2003/2004, würdigt Trainer Hans Meyer die herausragenden Verdienste von Gábor Király für den Verein und wechselt ihn in der 77. Spielminute gegen den 1. FC Köln unter dem frenetischen Jubel der 56.038 Zuschauer ein.

Es ist der letzte Einsatz von Gábor Király im Trikot von Hertha BSC. Wie sein erstes Bundesligaspiel gegen den 1. FC Köln, endet auch diese Partie gegen die Domstädter mit einem Sieg (3:1) für die bereits zuvor gesicherten Berliner.

Hohe Popularität und Ansehen

Die unverminderte Beliebtheit von Gábor Király, von den Hertha-Anhängern anlässlich des 111. Vereinsjubiläums in die Jahrhundertelf von Hertha BSC gewählt, wird zuletzt beim Abschiedsspiel von Marcelinho im Olympiastadion im März 2017 deutlich. Rund 25.000 Zuschauer umjubeln die Rückkehr des 108-fachen ungarischen Rekord-Nationalspielers, der seit der Achtelfinalpartie gegen Belgien am 26.06.2016 mit 40 Jahren und 86 Tagen zudem der älteste jemals bei einer Europameisterschaft eingesetzte Spieler ist.

Der blau-weiße Leistungsnachweis in Zahlen

Gábor Király absolviert vom September 1997 bis zum Dezember 2003 insgesamt 252 Pflichtspiele für Hertha BSC, in denen er 89 zu Null spielt (Quote 35,31 %). Seine 198 Spiele in der 1. Bundesliga, in denen Gábor Király durchschnittlich lediglich 1,32 Gegentore hinnehmen muss, mit seinen Mannschaften dabei 1,57 Punkte pro Spiel erringt und in 72 Erstligapartien ohne Gegentor bleibt (Quote 36,36 %), sind bis zum heutigen Tage Vereinsrekord. Die verbleibenden 54 Spiele für Hertha BSC bestreit Gábor Király in der UEFA Champions League (12), im UEFA Cup (20), im DFB-Pokal (13) und im Ligapokal (9).

Gegenwart und Zukunft

Der mittlerweile 42-jährige Gábor Király hütet auch in der aktuellen Spielzeit 2018/2019 das Tor seines Heimatvereins Haladás Szombathely in der höchsten ungarischen „OTP Bank Liga“. Zudem betreibt er unter dem Firmennamen K1RALYSPORT erfolgreich ein Sportzentrum sowie Torwartschule und vertreibt seine eigene Sportkollektion inklusive seiner legendären grauen Schlabberhose.


Veröffentlichungsdatum: 11.10.2018

 
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