HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Willi wills wissen – Titel, Pomp & Gloria"

Willi Kirsei


Zur Saison 1923/1924 schließt sich der damals 20-jährige Straßenfußballer den Blau-Weißen an, das Mitgliederverzeichnis von Hertha BSC weist den 10.03.1924 als offizielles Eintritts- bzw. Meldedatum beim Verband Brandenburgischer Ballspielvereine (VBB) aus.

Als nahezu Unbekannter spielt der am 03.12.1902 in Berlin geborene Torjäger sofort in der ersten Mannschaft und hat als schneller, wendiger und trickreicher halblinker Stürmer in den Jahren von 1924 bis 1931 maßgeblichen Anteil an der glorreichsten Zeit von Hertha BSC.

Eine Erfolgsgeschichte

Bereits in seiner ersten Saison 1923/1924 gewinnt Willi Kirsei mit den Gesundbrunnern, die nach dem Zusammenschluß mit dem Berliner Sport-Club in dieser Saison erstmals als Hertha BSC antreten, gegen BV Luckenwalde den VBB-Pokal.

In der darauffolgenden Spielzeit kann sich die Mannschaft in der Staffel A der VBB-Oberliga mit einem Punkt Vorsprung vor SC Union 06 Oberschöneweide durchsetzen, bevor Hertha BSC durch zwei Siege gegen Alemannia 1890 (Sieger der Staffel B) den ersten Berliner Meistertitel nach 1918 erringt und somit an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1925 teilnimmt.

Willi Kirsei steuert in den siegreichen Partien gegen VfB Königsberg und TuRU Düsseldorf insgesamt drei Treffer bei, bevor er sich mit seiner Mannschaft erst nach Verlängerung im Halbfinale dem FSV Frankfurt geschlagen geben muss.

In der Saison 1925/1926 qualifiziert sich Hertha BSC in den Endspielen um die Berliner Meisterschaft nach zwei Siegen gegen Norden Nordwest 98 erneut für die die deutsche Meisterschaftsendrunde. Nach Erfolgen gegen VfB Königsberg, FSV Frankfurt und Hamburger SV ziehen die Spreeathener erstmals in ein Endspiel um die Deutsche Meisterschaft ein.

Am 13.06.1926 führt Willi Kirsei die Mannschaft als Kapitän gegen die Spielvereinigung Fürth auf das Spielfeld des mit 40.000 restlos gefüllten Frankfurter Stadions. Trotz eines frühen Führungstreffers von Hans „Hanne“ Ruch unterliegen die Berliner jedoch mit 1:4 (1:3).

In den nächsten drei Spielzeiten ziehen die Herthaner als Berliner Meister nach jeweils zwei Endspielsiegen gegen Kickers 1900 und zweimal gegen Tennis Borussia Berlin (hier jeweils in einem dritten Entscheidungsspiel) in die nationalen Meisterschaftsendrunden der Jahre 1927 bis 1929 ein. Hier gelingt Hertha BSC jeweils der Einzug in das Endspiel, ist jedoch dem 1. FC Nürnberg, dem Hamburger SV sowie erneut der Spielvereinigung Fürth unterlegen.

Als 1930 gegen den Berliner Dauerrivalen Tennis Borussia Berlin zum dritten Mal in Folge der erneute Berliner Titelgewinn glückt, soll nun endlich auch der erste deutsche Meistertitel folgen. Nach einem Sieg gegen den Beuthener SuSv 09 im Achtelfinale, kommen die Berliner im Viertelfinale bei der Spielvereinigung Köln-Sülz nach dem Führungstreffer von Willi Kirsei nicht über ein 1:1-Remis nach Verlängerung im Müngersdorfer Stadion hinaus.

Im notwendigen Wiederholungsspiel erzielt Willi Kirsei gleich drei Tore, die Hauptstädter setzen im heimischen Poststadion mit einem 8:1 ein deutliches Zeichen. Im Leipziger Halbfinale ist es Willi Kirsei, der nach einem 0:2-Rückstand gegen den 1. FC Nürnberg mit seinem Anschlußtreffer die Wende einleitet und Hertha BSC sich mit einem 6:3 die fünfte Endspielteilnahme in Folge sichert.

In einem dramatischen Finale gegen Holstein Kiel gleichen Johannes „Hanne“ Sobeck und Bruno „Tute“ Lehmann mit jeweils zwei Treffern einen zweimaligen Rückstand aus, bevor Hans „Hanne“ Ruch wenige Minuten vor Spielende den viel umjubelten Siegtreffer im Düsseldorfer Rheinstadion erzielt.

Willi Kirsei erringt mit Hertha BSC zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den deutschen Meistertitel. Doch es soll noch besser für den Mann mit den streng zurückgekämmten Haaren kommen. Mit dem Gewinn der Berliner Meisterschaft, die gegen die punktgleiche Mannschaft von Viktoria 89 erst nach zwei siegreichen Entscheidungsspielen errungen wird, qualifiziert sich Hertha BSC zum sechsten Mal hintereinander für die Meisterschaftsendrunde.

Die Herthaner, die nach der Trennung vom Berliner Sport-Club wieder ohne Adler auf den weißen Trikots auflaufen, behalten gegen den VfB Bielefeld, die Spielvereinigung Fürth und gegen den Hamburger SV nach Verlängerung die Oberhand und treffen im Müngersdorfer Stadion in Köln auf 1860 München.

Zweimal gleicht Johannes „Hanne“ Sobeck die gegnerische Führung aus, bevor der kurz zuvor angeschlagene und von Mannschaftsarzt Dr. Hermann Horwitz erfolgreich behandelte Willi Kirsei, sechsfacher Torschütze in den bisherigen Endrundenpartien, in der 89. Spielminute das 3:2 und somit den Siegtreffer zum zweiten und bis zum heutigen Tage letzten Meisterschaftsgewinn für Hertha BSC erzielt.

Persönliche Erfolge

Willi Kirsei, in süddeutschen Sportpublikationen der frühen Zwanziger & Dreißiger Jahre oftmals auch mit „y“ geschrieben, ist mit Johannes „Hanne“ Sobek und Hans „Hanne“ Ruch einer von lediglich drei Spielern, die in allen sechs Endspielen um die Deutsche Meisterschaft mitwirken und für Hertha BSC zweimal die Meister-Trophäe „Viktoria“ nach Berlin holen.

In 34 Endrundenspielen erzielt er 34 Tore, beim Gewinn der zweiten Deutschen Meisterschaft ist er mit sieben Treffern in vier Partien der Torschützenkönig der deutschen Endrunde 1930/1931. Zudem ist er bis zum heutigen Tage mit 244 Toren in 164 Punktspielen der Rekord-Torschütze von Hertha BSC.

Das Leben nach der aktiven Karriere

Nach Beendigung seiner aktiven Karriere im Jahre 1936 (1939 kehrt er für wenige Monate in die Mannschaft zurück), betreibt Willi Kirsei eine Toto-Annahmestelle im Berliner Bezirk Süd/West 29, genauer gesagt in der Gneisenaustraße, Ecke Mehringdamm. Aber auch dem Fußball bleibt er treu. Als Trainer führt er die Sportgruppe Frohnau (später unter Frohnauer Sport Club bekannt) in der Saison 1947/1948 in die 1. Klasse.

Danach folgt er dem Ruf des Berliner SV 1892 und gewinnt mit den „Störchen“ gleich im ersten Anlauf den Berliner Meistertitel bevor er mit seiner Mannschaft erst im Viertelfinale an Borussia Dortmund in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1949 scheitert.

Kurz nach seinem 61. Geburtstag verstirbt Willi Kirsei am 19.12.1963, einer der erfolgreichsten Herthaner unserer Vereinsgeschichte.

Veröffentlichungsdatum: 06.12.2018
 
 
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