HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Geliebt und unvergessen"
 
Helmut "Fiffi" Kronsbein

Hertha BSC verpflichtet Helmut „Fiffi“ Kronsbein zur Saison 1966/1967, um nach dem vom DFB nach der Saison 1964/1965 angeordneten Zwangsabstieg in die Regionalliga, die Rückkehr in das deutsche Fußball-Oberhaus zu bewerkstelligen.

Der in Danzig geborene Fußballlehrer, ehemaliger Lehrling von Josef „Sepp“ Herberger und mit Hannover 96 im Jahre 1954 sensationell Deutscher Meister, hat den Ruf eines strengen und stets absolute Disziplin einfordernden Trainers.

In der Aufstiegsrunde 1968 gelingt Helmut „Fiffi“ Kronsbein im zweiten Anlauf die ersehnte Rückkehr in die Fußball-Bundesliga, der Trainer und die Mannschaft werden unter dem großen Jubel der blau-weißen Anhänger vor dem Rathaus Schöneberg vom Regierenden Bürgermeister Klaus Schütz empfangen.

Auf dem Weg zur dritten Kraft im deutschen Fußball

Nachdem in der ersten Bundesliga-Saison 1968/1969 der Klassenerhalt gelingt, holt „Fiffi“, wie Helmut Kronsbein seit jeher genannt wird, mit Wolfgang Gayer, Lorenz „Lenz“ Horr und Bernd Patzke drei Wunschspieler in die geteilte Stadt. Er baut eine Mannschaft auf, die in den folgenden zwei Spielzeiten sogar den Anschluß an die aufkommende Dominanz des FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach herstellt.

In der Saison 1969/1970, dass mit dem 1:0 gegen den 1. FC Köln vor offiziell 88.075 Zuschauern (höchste offizielle Zuschauerzahl in der Fußball-Bundesliga) sowie dem 9:1 gegen Borussia Dortmund (höchster Bundesliga-Sieg von Hertha BSC) gleich zwei historische Höhepunkte erlebt, erreichen die Blau-Weißen den dritten Tabellenplatz. 710.000 Besucher pilgern zu den 17 Heimspielen in das Berliner Olympiastadion, andere Vereine fürchten bei einem derartig anhaltenden Zuschauerzuspruch und den damit verbundenen Einnahmen bereits den Abgang ihrer Leistungsträger nach Berlin.

Zu Beginn der Spielzeit 1970/1971 kann der in der vorangegangenen Saison noch nicht spielberechtigte ungarische Nationalspieler Zoltán Varga eingesetzt werden, der nun noch attraktivere Fußball von Hertha BSC lässt insgesamt sogar 749.000 Zuschauer in die heimische Arena strömen. Nicht wenige Fußball-Experten sehen in der von Helmut „Fiffi“ Kronsbein zusammengestellten Mannschaft einen zukünftigen Meisterschaftsanwärter. In sechzehn Heimspielen bleibt die Mannschaft unbesiegt, lediglich am letzten Spieltag unterliegt man zuhause Armina Bielefeld – eine für die Berliner eigentlich bedeutungslose Begegnung, da der dritte Tabellenrang bereits erneut gesichert ist. Wie sich jedoch einen Tag nach Saisonende und im Verlauf der folgenden Saison herausstellt, sind bis auf Lorenz „Lenz“ Horr alle Stammspieler in eine Manipulation dieser Partie verwickelt.

Mit einer Mannschaft, die noch zur Hälfte aus Spielern besteht, die nach und nach mit Sperren belegt werden und neuen Spielern, wie z.B. Erich „Ete“ Beer, Erwin Hermandung und Michael Sziedat, erreicht „Fiffi“ in der unter den Folgen des Bundesliga-Skandals massiv leidenden Saison 1971/1972 immerhin den sechsten Tabellenrang.

Der Neuaufbau

Zu Beginn der Saison 1972/1973 führt Helmut „Fiffi“ Kronsbein den Neuaufbau der Mannschaft fort. Mit den Nachwuchskräften Thomas Zander, Wolfgang Sidka, dem ehemalgen Nationaltorwat Horst „Luffe“ Wolter und den bundesligaunerfahrenen Holger Brück, Gerhard Grau und Hans „Hanne“ Weiner formt er langjährige Leistungsträger und zaubert eine Mannschaft, die er im Saisonverlauf mit Abwehrroutinier Ludwig „Luggi“ Müller sowie Torjäger Kurt „Kudi“ Müller weiter verstärkt.

Entgegen der Voraussage der meisten Fußballexperten, führt er Hertha BSC trotz vier Niederlagen zum Saisonauftakt und einer stetigen Nähe zu den Abstiegsrängen letztendlich auf den 13. Tabellenplatz. In der Saison 1973/1974 schafft es Helmut „Fiffi“ Kronsbein sogar, die Mannschaft in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren.

Mit einem Heimsieg am 25. Spieltag endet die fast achtjährige Amtszeit des Trainers bei Hertha BSC, da sich sein ehemaliger Verein Hannover 96 in höchster Abstiegsnot befindet und in dem ehemaligen Meistertrainer die letzte Rettung sieht.

Für den Vorstand von Hertha BSC ist es eine Ehrensache, dem Trainer, der nach Ende der Saison ohnehin seine Tätigkeit in Berlin beenden will, aufgrund seiner Verdienste für die Blau-Weißen am 13.03.1974 die sofortige Freigabe zu erteilen. Helmut „Fiffi“ Kronsbein verabschiedet sich mit den Worten „Adieu geliebte Hertha – auf ein Wiedersehen im geliebten Berlin“.

Alte Liebe

Nach der Hinrunde 1979/1980 ist Hertha BSC das Tabellenschlusslicht im deutschen Fußball-Oberhaus. Kurz vor dem Jahreswechsel übernimmt Helmut „Fiffi“ Kronsbein die Mannschaft von Interimstrainer Hans „Gustav“ Eder.

Mit der Mannschaft erringt er acht Siege erringt und erzielt die fünfmeisten Punkte der Rückrunde. Trotz eines 4:2-Sieges gegen den VfB Stuttgart am dramatischen 34. Spieltag, steigt Hertha BSC als bis zum heutigen Tage einzige Mannschaft mit umgerechnet 40 Punkten aufgrund einer um zwei Tore schlechteren Tordifferenz gegenüber Bayer 05 Uerdingen zum ersten Mal aus sportlichen Gründen ab.

Die Leistung des mit 3.000 Amtstagen und 212 Bundesligaspielen bis zum heutigen Tage mit Abstand dienstältesten Trainers der Herthaner, der mit diesem Spiel seine Trainerkarriere endgültig beendet, wird trotzdem von den mehr als 50.000 Zuschauern in einem tränenreichen Abschied gewürdigt.

Gefeiert und nicht gefeuert

Im Jahre 1971 veröffentlicht Helmut „Fiffi“ Kronsbein seine Erinnerungen unter dem Titel „FIFFI gefeiert und gefeuert“. Bei Hertha BSC wird er nur gefeiert, nie gefeuert.

Am 27.03.1991 stirbt er in Berlin, sein Grabstein auf dem Friedhof an der Heerstraße, auf dem neben seinem Namen auch das „Fiffi“ verewigt ist, trägt die Inschrift „Geliebt und unvergessen“.

Das Wirken von Helmut „Fiffi“ Kronsbein bei Hertha BSC beschreibt eine Anekdote von Wolfgang Holst vom 23.02.1974. Als sich an diesem langen Abend das vom Trainer eingeführte Mannschaftsfaschingsfest dem Ende neigt, gibt es keinen der Stimmung gerechter werdenden Abschluß als das von allen Beteiligten im Walzertakt gesungene „Fiffi, Fiffi, noch einmal, es war ja doch so schön“.

Veröffentlichungsdatum: 25.12.2018

 
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