HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •Laohakul
#HerthaMuseum (#52)
 

#HERTHAMUSEUM (#52)

Vithaya Laohakul – der erste Thailänder in der Fußball-Bundesliga

Obwohl Hertha BSC in der Saison 1978/1979 bis in das Halbfinale um den UEFA-Pokal sowie in das Endspiel um den DFB-Pokal einzieht, wo in beiden Wettbewerben der große Wurf äußerst unglücklich verwehrt bleibt, gelingt den Berlinern erst am vorletzten Spieltag durch ein Remis im letzten Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig der endgültige Klassenerhalt. Die geringen Zuschauereinnahmen der durchschnittlich lediglich 16.500 Zuschauer bringen die Blau-Weißen an den Rand der finanziellen Belastbarkeit.

Die daraus resultierenden schmerzlichen Abgänge von zahlreichen Leistungsträgern, darunter Torhüter Norbert Nigbur und die beiden Vereinsikonen Erich „Ete“ Beer und Hans „Hanne“ Weiner, lassen Hertha BSC sehr schweren Zeiten im deutschen Fußball-Oberhaus entgegenblicken. Umso mehr ist Kreativität bei der Zusammenstellung des Kaders für die Saison 1979/1980 in der 1. Bundesliga gefragt.

Der Tipp eines Freundes


Fritz Schollmeyer, ehemaliger Trainer des Lokalrivalen Tennis Borussia, legt seinem Freund Wolfgang Holst die Verpflichtung eines 1,77 m großen und 68 kg schweren thailändischen Nationalspielers nahe. Es handelt sich um den 25-jährigen Vithaya Laohakul - in der Saison 1978/1979 bereits zum zweiten Mal als Thailands Fußballer des Jahres ausgezeichnet. Als die Mannschaft nach nur einem Sieg aus den ersten acht Saisonspielen auf dem vorletzten Tabellenplatz rangiert, kommt Vithaya Laohakul mit der Unterstützung des „Vereins zur Förderung von Hertha BSC“ Anfang Oktober 1979 nach Berlin.

Fortan spielt „Vitia“, wie er bereits nach kurzer Zeit genannt wird, bei den Amateuren. Die eng mit dem Verein verbundene blau-weiße Trainer-Legende Helmut „Fiffi“ Kronsbein erkennt das Potenzial des Thailänders und empfiehlt Kuno Klötzer, dem Trainer des Bundesligisten, die Übernahme in das Lizenzspieleraufgebot mit den Worten „Er ist großartig am Ball und besitzt kämpferische Fähigkeiten.“

Premiere nach Führungswechsel


Obwohl der Thailänder zunächst große Schwierigkeiten hat, sich an den eisigen Winter in Berlin zu gewöhnen, lebt er sich schnell im neuen Umfeld ein. Er wohnt zunächst bei Horst Trempel (Schatzmeister des Fördervereins) und dessen Frau in Spandau, die sich beide fürsorglich um den Neuzugang bemühen. Zudem macht er sehr schnell Fortschritte beim Erlernen der deutschen Sprache. Alsbald bezieht er mit seiner Lebensgefährtin eine Wohnung in Neu-Westend, von der auch des Öfteren zum Training joggt. Der Weg in den professionellen deutschen Fußball öffnet sich für Vithaya Laohakul aber erst nach den Präsidiumswahlen am 29. November 1979, bei denen Wolfgang Holst das Amt des Vorsitzenden von Ottomar Domrich übernimmt.

Anfang Dezember unterzeichnet Vithaya Laohakul vor dem Bundesliga-Spiel gegen Fortuna Düsseldorf endlich den ersehnten Lizenzspielervertrag. Hans „Gustav“ Eder, dem Ende Oktober die Verantwortung für die Mannschaft übertragen wird, beruft den ehrgeizigen Asiaten sogleich in den Kader für das wichtige Heimspiel. Am 8. Dezember 1979 wird „Vitia“ beim Stand von 3:0 in der 70. Spielminute für Michael Sziedat eingewechselt und debütiert als erster thailändischer Spieler in der Geschichte der Fußball-Bundesliga. Bereits eine Woche später steht er beim Auswärtsspiel gegen den VfB Stuttgart in der Startelf. Auch im DFB-Pokal-Wettbewerb wird er mit Beginn der Verlängerung gegen die mittelrheinische Mannschaft des TuS Langerwehe eingewechselt.

Auf Bitte von Wolfgang Holst übernimmt Helmut „Fiffi“ Kronsbein zusammen mit Hans „Gustav“ Eder zur Rückrunde die schwere Aufgabe, den drohenden Abstieg doch noch abzuwenden. Der große Erfolgsdruck macht es dem Trainergespann nahezu unmöglich, das thailändische Talent in dieser schweren Situation in die erste Mannschaft zu integrieren, weshalb Vithaya Laohakul lediglich am 22. Spieltag in der Partie bei Borussia Mönchengladbach zu einem zehnminütigen Kurzeinsatz kommt. Am Saisonende reicht es für die Berliner trotz einer sehr guten Rückrunde nicht zum Klassenerhalt.

Mit umgerechnet 40 Punkten muss sich Hertha BSC aufgrund der um zwei Tore schlechteren Tordifferenz erstmals sportlich aus der Bel-Etage des deutschen Fußballs verabschieden. Vithaya Laohakul verbucht in der Saison 1979/1980 neben den vier Auftritten in der 1. Bundesliga und im DFB-Pokal noch fünf Einsätze in der DFB-Nachwuchsrunde (ein Treffer) sowie in 14 Freundschaftsspielen (fünf Tore) und gilt als Hoffnungsträger beim anvisierten sofortigen Wiederaufstieg.

Hoffnungsträger mit Verletzungspech


Zu Beginn der Saison 1980/1981 plant Trainer Uwe Klimaschefski den Thailänder Laohakul als einen der maßgeblichen Spieler der Blau-Weißen ein. Im Finale um den „Internationalen Berlin-Pokal“ erzielt Vithaya Laohakul die 1:0-Führung und geht mit diesem 600. Treffer der Berliner in einem internationalen Freundschaftsspiel in die Vereinschronik ein. Danach wird er jedoch immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen und kommt deshalb lediglich zu insgesamt 21 Einsätzen in der 2. Bundesliga sowie im DFB-Pokal. Fünfmal steht er in der Anfangsformation, in 16 Spielen wird er eingewechselt.

Seinen persönlichen Höhepunkt erlebt „Vitia“ am 8. November 1980 im Berliner Olympiastadion, als er in der 90. Spielminute mit seinem Treffer den Schlusspunkt beim 8:0 (4:0) gegen die SG Wattenscheid 09 setzt – es ist der zweithöchste Sieg von Hertha BSC seit Einführung der Fußball-Bundesligen. Trotz der Rekordzahl von 123 Toren nach dem 6:0 (4:0) beim OSV Hannover im 42. und letzten Saisonspiel, welches der Thailänder über die vollen 90 Spielminuten bestreitet, bleibt den Berlinern aufgrund eines fehlenden Punktes der undankbare dritte Tabellenrang, der den Verbleib in der 2. Bundesliga bedeutet.

Südostasiatischer Optimismus


Trotzdem gibt sich Vithaya Laohakul bei der Spielerbefragung zum Abschneiden der Mannschaft in der 2. Bundesliga Nord der neuen Saison mit der Aussage „Wir werden Erster“ sehr optimistisch. Aber er bleibt erneut vom Verletzungspech verfolgt. Kurz vor Weihnachten 1981 kommt Vithaya Laohakul am 19. Spieltag im ersten Heimspiel unter dem neuen Trainer Georg Gawliczek zu seinem elften und vorerst letzten Einsatz beim 2:1 (1:1) gegen Wormatia Worms. Danach muss er sich einer Operation am linken Knie unterziehen und steht erst wieder am 11. April 1982 für das Heimspiel gegen den VfL Osnabrück im Kader, in dem er in der 75. Spielminute für Hubert Schmitz eingewechselt wird und seinen letzten Einsatz im blau-weißen Trikot verzeichnet. Die Rückkehr seiner Mannschaft in die 1. Bundesliga als Vizemeister kann er danach lediglich von der Reservebank bzw. von der Tribüne miterleben.

Der Abschied

Nach der Saison 1981/1982 trennen sich die Wege von „Thai Bum“ - ein Spitzname, der die Berliner Boulevardpresse dem bei den blau-weißen Fans sehr beliebten Thailänder gegeben hat - und den Blau-Weißen. Der 61-fache Nationalspieler wechselt zum 1. FC Saarbrücken in die Oberliga Südwest. Dort gelingt ihm 1983 zunächst der Aufstieg in die 2. Bundesliga.
In zwei Spielzeiten erzielt er sieben Treffer in 53 Saisonspielen für die Saarländer, bevor es ihn wieder in sein Heimatland zieht. Aktuell ist der 66-Jährige als Technischer Direktor bzw. Direktor der Fußball-Akademie des thailändischen Erstligisten Chonburi Football Club tätig und genießt im gesamten Königreich aufgrund seiner Erfolge als Spieler und Trainer nach wie vor den Ruf einer höchst geachteten Fußball-Legende.

 

Veröffentlichungsdatum: 25.12.2020

 
  Es waren schon 295347 Besucher hier!  
 
-->
Diese Webseite wurde kostenlos mit Homepage-Baukasten.de erstellt. Willst du auch eine eigene Webseite?
Gratis anmelden