HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Spielfeld der Träume"

Das Stadion am Gesundbrunnen (Plumpe)


Im Jahre 1923 verlässt der sportliche aufstrebende BFC Hertha 1892 aus finanziellen Gründen den seit 1904 genutzten und nach dem Verpächter benannten „Schebera-Sportplatz“ an der Behmstraße und schließt sich mit dem wohlhabenden Berliner Sport-Club zusammen, der auf der anderen Straßenseite das Gelände der „Schebera-Eisbahn“ erwirbt, auf dem in kürzester Zeit ein Fußballplatz mit einer 110 Meter langen und teilweise überdachten Zuschauertribüne entsteht.

Am 09.02.1924, also fast auf den Tag genau vor 95 Jahren, wird das an der „Millionenbrücke“ im Berliner Bezirk Wedding gelegene Stadion mit einem 1:0-Sieg von Hertha BSC gegen den VfB Pankow eröffnet, als erster Torschütze geht Erich Gülle in die Annalen ein.

Nachdem die Blau-Weißen 1925 zum ersten Mal in ein Halbfinale um die deutsche Meisterschaft einziehen, bedingen die Euphore um Hertha BSC mit steigenden Zuschauerzahlen einen Stadionausbau mit der Errichtung von den beiden gegenüberliegenden und steil aufsteigenden Stehtribünen, die von der Berliner Fußballanhängern „Zauberberg“ und „Uhrenberg“ getauft werden.

Glorreiche Zeiten

Mit den Neuverpflichtungen von Johannes „Hanne“ Sobek und Hans „Hanne“ Ruch wird in der „Plumpe“ eine Mannschaft geboren, die in den Jahren 1926 bis 1931 einen unerreichten Rekord aufgestellt und sechsmal in Folge die Meisterschaftsendspiele erreicht.


Nachdem im fünften Anlauf 1930 der erste Meistertitel errungen wird, erfolgt die Trennung vom Berliner Sport-Club, nach einer Zahlung von 80.000 Reichsmark verbleiben die „Plumpe“ und das „BSC“ im Vereinsnamen bei Hertha BSC. 1931 folgt der zweite und bis zum heutigen Tage letzte Gewinn der Deutschen Meisterschaft.


Hertha BSC ist zu dieser Zeit das gesellschaftliche Ereignis. In Loge 3 auf der Tribüne ist der „Hertha-Stammtisch“ beheimatet, zu dem sich neben den Schauspielern Hans Albers und Bernhard Minetti sowie dem Schriftsteller Joachim Ringelnatz zahlreiche andere Prominete gesellen.

Die „Plumpe“ in Schutt und Asche

Der Zweite Weltkrieg hinterlässt schwere Schäden an der „Plumpe“, wobei die zuvor unbeschädigte Tribüne erst wenige Tage nach Kriegsende einem Feuer zum Opfer fällt. Der Hertha-Platz der jetzt direkt an der Grenze zum sowjetischen Sektor liegt, wird während der „Berlin-Blockade“ zum Schauplatz einer „Demonstration der Freiheit“, auf der Oberbürgermeister Ernst Reuter zu 80.000 Berlinern spricht, bevor der Platz erst 1950 an Hertha BSC zurückgegeben wird.


Die nächsten Generationen

Die „Plumpe“ ist nun wieder Schauplatz von Spielen von Hertha BSC und die Geburtsstätte der nächsten Generation von Spielern, wie Helmut Faeder, der hier Mitte der 1950er-Jahre zu der Persönlichkeit heranreift, die den Verein in die Endrunden um die Deutsche Meisterschaft der Jahre 1957, 1961 und 1963 sowie in die Fußball-Bundesliga führt.


In einer Sonder-Reportage titelt der „Kicker“ in seiner Ausgabe vom 27.08.1961 „Ganz Berlin steht hinter Hertha BSC“, denn auch trotz der Sektoren-Grenze finden viele Änhänger aus dem Ostsektor, die einen Großteil der Zuschauer ausmachen und die Eintrittskarten für Ostmark lösen, den Weg in die „Plumpe“ zu Hertha BSC.

Selbst nach dem Bau der Mauer im August 1961 zieht es die Anhänger aus Ost-Berlin, wie z.B. Helmut Klopfleisch, ehemaliger „Herthaner des Jahres“ und Mitglied im Ältestenrat von Hertha BSC, zum Grenzwall, um wenigstens der Stimmung bei Spielen ihres Herzensvereins in der „Plumpe“ zu lauschen.


Auch wenn Hertha BSC mit Beginn der Bundesliga im Jahre 1963 die Punktspiele im Berliner Olympiastadion austrägt, bleibt die „Plumpe“ die gefühlte Heimat. Am 25.07.1972, dem 80. Geburtstag des Vereins, findet hier die Vorstellung der Neuzugänge statt, darunter Holger Brück, Gerhard Grau, Wolfgang Sidka und Hans „Hanne“ Weiner, die in den Folgejahren mit der Deutschen Vizemeisterschaft 1975, der Teilnahme an den DFB-Pokal-Endspielen 1977 und 1979 sowie dem Einzug in das Halbfinale um den UEFA-Pokal 1979 ein neues Kapitel in der sportlichen Geschichte von Hertha BSC hinzufügen.

Um die finanziellen Folgen des Bundesliga-Skandals aufzufangen, muss die „Plumpe“ verkauft werden. Präsident Heinz Warneke hat die schmerzvolle Aufgabe, den Mitgliedern die Notwendigkeit des Verkaufs der geliebten „Plumpe“ zu verdeutlichen, da sonst der Konkurs des Vereins unabwendbar ist.


Nachdem die Umwandlung des Sportplatzes in ein Baugelände die Zustimmung durch das Berliner Abgeordnetenhaus findet, wird die „Plumpe“ für etwas mehr als sechs Millionen DM an eine Münchener Wohnungsbaugesellschaft veräußert, der Verein ist durch diesen Erlös nahezu schuldenfrei.

Das traurige Ende der „Plumpe“ spiegelt sich auch in der der durch starke Regenfälle bedingten Absage des für den 22.10.1974 vorgesehene Abschiedsspiels gegen den neunmaligen Rekordmeister 1. FC Nürnberg wider.


Wehmütige Worte der Hertha-Ikone

Johannes „Hanne“ Sobek, Ehrenpräsident von Hertha BSC, findet zum nahenden Ende der „Plumpe“ sehr persönliche Worte:

„...und dann habe ich hier gespielt, aus der Sehnsucht wurde dann eine Erfüllung. Jetzt muss ich leider sehen, dass dieser Platz finanziellen Dingen zum Opfer fällt, dass er verschwindet“ und „...Ich muss ehrlich gestehen: Als ich langsam die Treppe zur Millionenbrücke hochging und mich noch einmal umdrehte, - da traten mir die Tränen in die Augen...!“

Ende 1974 wird das Stadion am Gesundbrunnen abgerissen, das Spielfeld der Hertha-Träume von Spielern und Anhängern weicht einem Wohnkomplex. Seit 1978 erinnern bis zum heutigen Tage sowohl in der Behmstraße als auch in der Bellermannstraße insgesamt fünf Skulpturen von Michael Schoenholtz an die legendäre „Plumpe“.

Veröffentlichungsdatum: 25.02.2019

 
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