HERTHA BSC MUSEUM 1892
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Thomas Remark und die D-Mark


Vor der Saison 1978/1979 wird Hertha BSC in der saarländischen Amateurliga auf einen schnellen und durchsetzungsstarken 18-jährigen Stürmer aufmerksam, der seit 1974/1975 trotz einer schweren Verletzung seines starken linken Fußes im Alter von 16 Jahren alle U-Mannschaften des Deutschen Fußball-Bundes durchlaufen hat. In Berlin wird eigens ein vereinsinternes Testspiel arrangiert, um vor Ort die Fähigkeiten des im saarländischen Völklingen geborenen Angreifers zu begutachten. Thomas Remark zeigt sich bei dieser Gelegenheit wenig beeindruckt von den etablierten Gegenspielern und überzeugt die Verantwortlichen mit überdurchschnittlichem Einsatz und Ehrgeiz.

T
rotz des Interesses einiger hochrangiger Bundesliga-Konkurrenten gelingt es Hertha BSC, den ambitionierten Stürmer vom saarländischen Vizemeister SV Röchling Völklingen an die Spree zu locken. Die Entscheidung von Thomas Remark für das blau-weiße Trikot wird auch dadurch begünstigt, dass er durch den neuen Wohnsitz im Westteil der Stadt Berlin nicht zur Bundeswehr eingezogen werden kann.

Die Premiere

Am 14. Spieltag kommt Thomas Remark zu seinem langersehnten Einstand in der höchsten deutschen Spielklasse. In der Partie gegen den VfL Bochum wechselt Trainer Kuno Klötzer den 1,74 m großen und trotzdem erstaunlich kopfballstarken Stürmer für Karl-Heinz „Ellis“ Granitza, der im Sommer 1976 ebenfalls vom SV Röchling Völklingen akquiriert wurde, 25 Minuten vor Spielende ein. In seiner ersten Saison für die Blau-Weißen kommt er nach seinem Debut auf weitere zehn Einsätze in der Bundesliga. Im DFB-Pokal schenkt der Trainer dem Youngster in vier Partien das Vertrauen. Im Entscheidungsspiel der zweiten Runde gelingt ihm in der Schlussminute der Treffer zum 2:0-Endstand gegen Wormatia Worms. Im Achtelfinale gegen den 1. FC Köln wird er nach der Halbzeitpause eingewechselt, im Viertelfinale gegen Bayer 05 Uerdingen steht er in der Startelf und setzt mit seinem 6:1 den Schlusspunkt beim Einzug in das Halbfinale. Im Finale gegen Fortuna Düsseldorf im Niedersachsenstadion von Hannover wird Thomas Remark zu Beginn der Verlängerung für Dietmar Krämer eingewechselt und erlebt das sehr unglückliche 0:1 vier Minuten vor Spielende hautnah mit. Auch im UEFA-Pokal sammelt Thomas Remark wertvolle Erfahrungen. Im Berliner Olympiastadion bestreitet er das Rückspiel im Achtelfinale beim 4:0 gegen EFB Esbjerg sowie das Hinspiel im Viertelfinale beim 1:1 gegen Dukla Prag jeweils über die volle Spielzeit.

Schwere Zeiten

Nach dem Abgang zahlreicher Leistungsträger, darunter Torwart Norbert Nigbur, Mannschaftskapitän Erich „Ete“ Beer, Jürgen Milewski und Hans „Hanne“ Weiner, blickt Thomas Remark mit seiner Mannschaft vor der Spielzeit 1979/1980 schweren Zeiten entgegen. Trainer Kuno Klötzer muss nach dem zehnten Spieltag trotz des Sieges gegen Eintracht Frankfurt, den Thomas Remark mit dem Tor des Tages sicherstellt, nach nur zwei Siegen seinen Hut beim Tabellenvorletzten nehmen. Zur Winterpause übernimmt Herthas Trainer-Ikone Helmut „Fiffi“ Kronsbein zusammen mit dem langjährigen blau-weißen Spieler, Interims- bzw. Co-Trainer Hans „Gustav“ Eder das Ruder bei den Spreeathenern. Trotzdem muss Hertha BSC mit Thomas Remark, der insgesamt 26 Bundesliga-Einsätze mit vier Treffern verbucht, als siebtbeste Rückrunden-Mannschaft wegen der um zwei Treffer schlechteren Tordifferenz als Tabellensechzehnter den ersten sportlichen Abstieg in der Bundesliga-Vereinsgeschichte hinnehmen.

Die bittere Rekord-Saison

Mit dem Ziel des sofortigen Wiederaufstiegs bekommt Thomas Remark zur Saison 1980/1981 mit Uwe Klimaschefski, als Spieler selbst für Hertha BSC in der Bundesliga von 1963 bis 1965 tätig, nicht nur einen neuen Trainer, sondern bildet mit Werner Killmaier vom ESV Ingolstadt das kongeniale Sturmduo „Killmark“. Doch für Hertha BSC reicht die neue Rekordanzahl von 123 Toren, darunter 22 Treffer von Thomas Remark in 40 Partien, nach einem dritten Tabellenrang in der 2. Bundesliga Nord, weder zum direkten Aufstieg noch wenigstens zum Erreichen der beiden Relegationsspiele gegen den Tabellenzweiten der 2. Bundesliga Süd. Auch im DFB-Pokal mutet das 0:1 beim Erstligisten Eintracht Frankfurt im Halbfinale nach großartigem Kampf eher als Enttäuschung denn als Erfolg an. 


Die Bundesliga-Rückkehr

Als Hertha BSC in der Saison 1981/1982 nach 16 Spieltagen in der eingleisigen 2. Bundesliga lediglich den siebten Tabellenplatz belegt und die Rückkehr in das deutsche Fußball-Oberhaus in weite Ferne gerückt ist, wird Georg Gawliczek als neuer Trainer der Blau-Weißen verpflichtet. Er setzt auf die Eigenverantwortung der Spieler, die ihm das ausgesprochene Vertrauen mit einem zweiten Tabellenrang und dem Wiederaufstieg danken. Thomas Remark ist der Top-Torjäger von Hertha BSC und erzielt mit seinen 28 Treffern, darunter ein Viererpack beim 8:0 gegen die SG Wattenscheid 09 am 8. November 1980, exakt ein Drittel der 84 blau-weißen Tore. Die Leuchtdioden der Anzeigentafel im Berliner Olympiastadion belohnen seine Leistungen regelmäßig mit dem Satz „So verdient sich Thomas Remark treu und fleißig seine D-Mark“.


Der erneute Gang in die Zweitklassigkeit


Nach der Bundesliga-Rückkehr wird den Verantwortlichen, Spielern und Fans schnell klar, dass einzig und allein der Klassenerhalt das realistische Ziel lauten muss. Zwar ist Thomas Remark, der neben Torhüter Gregor Quasten und Verteidiger Werner Schneider alle 34 Saisonspiele bestreitet, mit neun Saisontoren erneut der treffsicherste Berliner, jedoch kann er mit seiner Mannschaft den erneuten Abstieg mit zwei Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nicht verhindern.

Treue Seele

Thomas Remark bleibt Hertha BSC auch nach dem Abstieg treu. Bis zum 16. Spieltag erzielt der Saarländer in zwölf Saisonspielen trotz einer mehrwöchigen Verletzungspause aufgrund einer in einem Freundschaftsspiel erlittenen Jochbeinfraktur, immerhin fünf Treffer. Als Klaus Schlappner, Trainer des Bundesliga-Neulings Waldhof Mannheim im November 1983 sein Interesse an dem Torjäger bekundet, stimmen Hertha BSC und Thomas Remark einen Transfer schweren Herzens zu, da der Verein die Ablösesumme für seinen torgefährlichsten Spieler gut gebrauchen kann.


Bald wieder in Berlin?


Auch heute noch schwärmt Thomas Remark von seiner Zeit in Berlin, in der er als sehr junger Mann in der Großstadt auch außerhalb des Fußballplatzes wertvolle Erfahrungen für seinen späteren Werdegang sammeln konnte. Gut 23 Jahre nach seinem letzten Auftritt in Berlin (von 1994 bis 1997 war Thomas Remark, der seit 1995 mit der A-Lizenz ausgestattet ist, Trainer von Türkiyemspor und Tasmania) scheint eine Rückkehr des bei den älteren Fans von Hertha BSC immer noch sehr populären ehemaligen Stürmers nach Berlin in greifbarer Nähe. Der nach wie vor sehr fokussiert und zielstrebig wirkende 61-jährige, der mit seiner Gattin zurzeit in Neuwied in der Nähe von Koblenz wohnt und selbständig eine Generalagentur eines deutschen Finanzdienstleistungsunternehmens führt, konnte in den letzten Wochen des Öfteren in der Hauptstadt angetroffen werden, da er in Berlin eine neue berufliche Herausforderung anstrebt. Im Erfolgsfall wären dann auch wieder regelmäßige Treffen mit seiner damaligen Berliner Clique mit z.B. Pierre Dickert, Heikko Glöde und Dieter Timme und den Fans von Hertha BSC möglich.

Veröffentlichungsdatum: 10.10.2020

 
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