HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Der größte Held von Hertha BSC"

Eine Hommage an Johannes "Hanne" Sobek zum 120.  Geburtstag


Am 18. März 1900 wird der nach den späteren Worten des Weltmeister-Trainers Josef „Sepp“ Herberger „größte Fußballer, den Berlin je besessen hat“ in der Stadt Mirow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte in Mecklenburg-Vorpommern) als Paul Friedrich Max Johannes Wiechmann geboren. Seinen leiblichen Vater lernt er nie kennen, 1910 zieht Mutter Helene mit ihrem Lebenspartner Paul Sobek nach Berlin. Nach der Heirat im Jahre 1915 wird der 15-jährige adoptiert und trägt fortan den Namen Sobek.

Historischer Glücksfall

Nach seinen fußballerischen Anfängen bei Bavaria 09, die vom Frühjahr bis Dezember 1918 durch seinen Dienst als Soldat in Frankreich unterbrochen werden, wechselt er im März 1920 zu Alemannia 90. Der Berliner Auswahlspieler avanciert dort 1923 zum deutschen Nationalspieler, bevor er zur Saison 1925/1926 zu Hertha BSC wechselt und in den folgenden sechs Spielzeiten als Sinnbild für die glorreichste Zeit der blau-weißen Vereinsgeschichte gilt.


Als Mannschaftskapitän führt er Hertha BSC nach vier vergeblichen Endspiel-Teilnahmen beim 4:3 gegen Holstein Kiel im Düsseldorfer Rheinstadion am 22. Juni 1930 zur ersten Deutschen Meisterschaft. Die „Fußball-Illustrierte“ veröffentlicht ein großformatiges Foto von Johannes „Hanne“ Sobek auf den Schultern von begeisterten Anhängern und kommentiert das historische Ereignis mit den Worten „Ausklang von Kampf und Sieg – Hertha BSC endlich am langersehnten Ziele: Deutscher Meister“. Am 14. Juni 1931 gelingt ihm mit seiner Mannschaft durch ein 3:2 gegen 1860 München im Müngersdorfer Stadion in Köln der erneute Gewinn der begehrten „Viktoria“.


In den Jahren 1935 & 1937 erringt der zehnfache Nationalspieler mit Hertha BSC die Gau-Meisterschaft Berlin-Brandenburg. Bis Anfang der 1940er-Jahre spielt er regelmäßig für die Blau-Weißen, bevor er dann nach einigen sporadischen Einsätzen seine beispiellose aktive Karriere beendet.


Erfolgreiche Trainerkarriere


In den Nachkriegsjahren beginnt die Trainerkarriere des ehemaligen Halbstürmers beim SG Union Oberschöneweide, mit dem er sich 1950 für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Der Mannschaft wird jedoch untersagt, nach West-Deutschland einzureisen, einige Spieler übersiedeln in den Westteil der Stadt, wo Johannes „Hanne“ Sobek den kurz darauf gegründeten offiziellen Nachfolgeverein SC Union 06 betreut. 
Am 1. Oktober 1952 erhält er seinen Fußball-Lehrer-Ausweis vom Deutschen Fußball-Bund (DFB). Die Trainerlizenz ist auf den 15. Juni 1950 zurückdatiert, da er ab diesem Zeitpunkt bereits als Auswahltrainer für den Verband Berliner Ballspielvereine (VBB) tätig ist. Ende der 1950er-Jahre schließt sich der Kreis für Johannes „Hanne“ Sobek, als er zur Saison 1959/1960 den Trainerposten bei Hertha BSC einnimmt. 1961 & 1963 führt er die Blau-Weißen zu zwei Berliner Meistertiteln und in die neugegründete Fußball-Bundesliga, bevor er die Mannschaft an Josef „Jupp“ Schneider übergibt.

Als Funktionär mit vollem Einsatz für Hertha BSC


Am 11. Februar 1965 wird auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dem gesamten geschäftsführenden Vorstand um Präsident Siegfried Schmidt, der zuvor ohnehin seinen Rücktritt erklärt, mit 203 Stimmen das Mißtrauen ausgesprochen. Nach einer Tagung des von Karl Tewes angeführten Ältestenrats, stellt sich das Vereinsidol tags darauf als Notvorstand zur Verfügung. Trotz seines unermüdlichen Einsatzes verbannt das DFB-Sportgericht mit Urteil vom 18. Mai 1965 seinen Herzensverein in die Regionalliga. Nachdem die Berufungsverhandlung das Urteil am 20. Juni 1965 bestätigt, tritt er als Vorstand zurück. Die Rückkehr der Spreeathener in die höchste deutsche Spielklasse im Juni 1968, kann Johannes „Hanne“ Sobek nach seiner Ernennung am 24. März 1967 dann bereits als Ehrenvorsitzender von Hertha BSC feiern.

 


Anerkannt, beliebt und erfolgreich auch neben dem Spielfeld

Der zweifache Meisterspieler gehört mit seiner faszinierenden Ausstrahlung zu den beliebtesten Persönlichkeiten der gehobenen Gesellschaft der Metropole Berlin. 1927 wirkt er in dem Fußball-Stummfilm „Die elf Teufel“ mit, er fungiert als Assistent des weltbekannten Artisten Enrico Castelli im legendären „Wintergarten“. 1935 verfasst er den sehr erfolgreichen Sportroman „Hinein…!“, dessen Hauptfigur unzweifelhaft den Werdegang des Ausnahmespielers nachzeichnet.


Zu seinen Freunden gehören der Schauspieler Hans Albers, der Dichter Joachim Ringelnatz sowie der Box-Weltmeister im Schwergewicht, Max Schmeling, die allesamt voll des Lobes für den Fußballer und oft zu Gast bei Familie Sobek sind. Johannes „Hanne“ Sobek stellt sich niemals in den Mittelpunkt, gibt nicht mit seinen Privilegien oder namhaften Freunden an. Zeit seines Lebens bleibt er bescheiden, was seine ohnehin schon immense Popularität bis ins hohe Alter nur noch weiter anwachsen lässt.


Abschied und Würdigung einer Berliner Legende


Am 17. Februar 1989 scheidet Johannes „Hanne“ Sobek im Kreis seiner Familie aus dem Leben. Das von Heinz Roloff angeführte Präsidium von Hertha BSC kondoliert in der Traueranzeige mit den treffenden Worten „Hanne Sobek war unser sportliches Vorbild und über sechs Jahrzehnte als Spieler, Trainer, Vorsitzender und Berater unentbehrlich. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“. Elf Tage später tragen Ehefrau Elisabeth und Sohn Bernd den geliebten Ehemann und Vater im Beisein von über 300 Trauergästen und unter großer öffentlicher Anteilnahme auf dem Waldfriedhof in Zehlendorf zu Grabe.


Zehn Jahre später wird der im Mai 1950 ursprünglich als „Sportring Wedding“ eröffnete Sportplatz an der Osloer Straße am 24. April 1999 in „Hanne-Sobek-Sportanlage“ umbenannt. Die 11.000,00 DM teure Bronzetafel trägt den originalen Wortlaut „Mit der Benennung dieser Sportanlage wird das unvergessene Berliner Fussballidol Hanne Sobek, mehrfacher Nationalspieler und Spieler der Berlin-Auswahl, mit seiner Hertha BSC zweimaliger deutscher Fussballmeister, geehrt.“ Am 16. August 2006 folgt mit der feierlichen Enthüllung des Straßenschildes „Hanne-Sobek-Platz“ nach der zuvor erfolgten Umbenennung des Platzes vor dem Bahnhof Gesundbrunnen eine weitere Würdigung der wohl herausragendsten Persönlichkeit des Berliner Fußballsports.

„Der grösste Held von Hertha BSC“, wie der Titel des Standardwerkes von Oliver Ohmann über Johannes „Hanne“ Sobek lautet, wird auch kommenden Generationen von Spielern & Verantwortlichen ein Vorbild sein und für immer einen ganz besonderen Platz in der Vereinsgeschichte sowie in den Herzen der blau-weißen Fußball-Anhänger einnehmen.

Veröffentlichungsdatum: 18.03.2020

 
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