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Hertha BSC & „Das Tor des Monats“

Vor genau 45 Jahren erzielt erstmals ein Herthaner das "Tor des Monats"

Im März 1971 stellen die Redakteure des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in der Sendung der ARD-Sportschau erstmals fünf Tore vor, aus denen das Fernsehpublikum das „Tor des Monats“ wählen kann. Seit mittlerweile fast 49 Jahren erfreut sich dieser inoffizielle Wettbewerb einer nach wie vor ungebrochenen Popularität bei Fans und Spielern.

Über 44.000 Fans können sich nicht irren


Am letzten Novembertag des Jahres 1974 ist Hertha BSC beim MSV Duisburg im Wedaustadion zu Gast. Nach einer guten halben Stunde landet ein von Ludwig „Luggi“ Müller geschlagener und von einem Duisburger Spieler mit dem Kopf verlängerter Flankenball punktgenau bei Erich „Ete“ Beer, der diese Partie aufgrund eines im Berliner Derby gegen Tennis Borussia erlittenen Mittelhandbruches mit einer Ledermanschette bestreiten muss. Der von dieser Beeinträchtigung unbeeindruckt aufspielende Mittelfeldregisseur hämmert das Leder in halbrechter Strafraumposition aus zehn Metern mit einem fulminanten Volleyschuss unter die Querlatte. Mit diesem Treffer legt er den Grundstein für einen 3:1-Auswärtserfolg, der nach Abschluss des 15. Spieltages zugleich die erstmalige Tabellenführung in der Fußball-Bundesliga der Saison 1974/1975 bedeutet.


Bei der Wahl zum „Tor des Monats“ setzt sich Erich „Ete“ Beer mit 44.240 der insgesamt 90.000 abgegebenen Stimmen mit großem Abstand gegen Georg Volkert vom Hamburger SV und Erwin Kostedde von den Offenbacher Kickers durch. Am 15. Dezember 1975 empfängt Erich „Ete“ Beer in der Live-Sendung der ARD-Sportschau in Köln die begehrte und prestigeträchtige goldene Medaille aus der Hand von Moderator Oskar Klose. Bei der Wahl zum „Tor des Jahres“ nehmen über 140.000 Zuschauerinnen & Zuschauer teil. Für den Treffer von Erich „Ete“ Beer votieren immerhin 21.734 Fußball-Fans, doch der Berliner muss dem Offenbacher Erwin Kostedde den Vortritt überlassen, der für sein im Oktober 1974 erzieltes Tor des Monats 28.542 Stimmen für sich verbuchen kann.


Knapp 15 Monate später wird der gebürtige Franke für seinen 1:1-Ausgleichstreffer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien in Madrid am 24. April 1976 sogar zum zweiten Mal von den Zuschauerinnen und Zuschauern der ARD-Sportschau mit der Auszeichung für das „Tor des Monats“ belohnt.


Mit Kraft und Technik


Die Fans der Blau-Weißen müssen fast 16 Jahre warten, bis sich der nächste Akteur von Hertha BSC in die elitäre Liste der Torschützen des Monats einträgt. Am 15. März 1992 verdient sich Mario Basler mit einem direkten Freistoß aus 40 Metern zum 3:2-Siegtreffer bei Bayer Uerdingen kurz vor Spielende diese Ehre. Lediglich sechs Monate später verdient sich Theo Gries mit seinem Fallrückzieher aus elf Metern zum zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleichstreffer in der DFB-Pokal-Partie beim SC Freiburg am 13. September 1992 das Prädikat „Torschütze des Monats.


Kuriose blau-weiße „Tore des Monats“


Am 28. Juli 1993, dem ersten Spieltag der 2. Bundesliga der Saison 1993/1994, ist die Glücksgöttin nicht auf Seiten von Hertha BSC. In der Begegnung beim FC Carl-Zeiss Jena spielt Frank „Wuschi“ Rohde einen Rückpass zu Torhüter Walter Junghans. Als der Berliner Schlussmann den Ball nach vorne schlagen will, verspringt das Leder auf dem unebenen Rasen und kullert zum 1:1-Endstand in das eigene Tornetz.


Die Redakteure der ARD-Sportschau bieten diesen Treffer zur Auswahl an, der dann auch prompt vom Fernsehpublikum zum „Tor des Monats“ gewählt wird. Frank „Wuschi“ Rohde lehnt die Entgegennahme der Medaille zunächst ab. Erst im Jahre 2001 schließt Frank „Wuschi“ Rohde Frieden mit seinem kuriosen Treffer und nimmt die Medaille anlässlich der Gala zum 40-jährigen Bestehen der ARD-Sportschau schließlich doch noch an.


Fast auf den Tag genau fünf Jahre später fällt am 22. Juli 1998 in Heidenheim im Endspiel um den Ex-Norm-Cup zwischen Hertha BSC und dem Karlsruher SC ein weiterer kurioser Treffer, der zum schönsten Treffer des Monats Juli gewählt wird. Eigentlich will Torhüter Gábor Király mit einem langen Abschlag von der eigenen Strafraumgrenze auf Alphonse Tchami lediglich einen schnellen Konter einleiten, doch der Karlsruher Torwart rutscht vor dem Klärungsversuch aus, so dass auch dieser Ball ungehindert die Torlinie überquert. Zu diesem Zeitpunkt ist der Berliner Schlussmann der fünfte Torhüter, dem diese Ehre zu Teil wird.


Ein Tor schöner als das andere


Das „Tor des Monats“ Juli 1999 von Eyjólfur „Jolly“ Sverrisson in der Vorrunden-Partie um den DFB-Ligapokal 1999 zwischen Hertha BSC und Borussia Dortmund in Osnabrück am 11. Juli 1999 sticht auch durch die einzigartige Vorbereitung heraus. Zunächst spielt Dariusz Wosz den Ball hoch vor den gegnerischen Strafraum, bevor Andreas Thom einen Doppelpass per Kopfball mit Kjetil Rekdal und anschließend auf den Isländer spielt, der den Ball im Strafraum mit dem Oberkörper annimmt und in bester Stürmermanier aus der Drehung ins lange linke Toreck zum zwischenzeitlich 1:1 vollendet.


In den folgenden 24 Monaten erzielen drei wahre Ballkünstler die nächsten vier „Tore des Monats“ für Hertha BSC. Erst gelingt Sebastian Deisler mit seinem Freistoßtreffer zum 1:1-Endstand in der Bundesliga-Partie bei Arminia Bielefeld am 20. August 1999 sowie mit seinem 1:0-Führungstreffer im Vorbereitungsspiel gegen die Spielvereinigung Unterhaching am 20. Juli 2000 ein „Tor des Monats“-Doppelpack, bevor der leider viel zu früh verstorbene Alex Alves das wohl spektakulärste „Tor des Monats“ für den Hauptstadtverein erzielt.


Am 30. September 2000 werden die knapp 38.000 Zuschauer für ihren Besuch des in Sanierung befindlichen Berliner Olympiastadions einzigartig belohnt, obwohl Hertha BSC bereits nach einer knappen halben Stunde mit 0:2 gegen den 1. FC Köln in Rückstand liegt. Nachdem Michael Preetz den Ball beim folgenden Anstoß lediglich antippt, fasst sich der Brasilianer ein Herz und erzielt mit einem Direktschuss aus 53 Metern in das linke obere Toreck postwendend den Anschlusstreffer, der die Grundlage für den späteren 4:2-Heimsieg bildet. Dieser Treffer ist so außergewöhnlich, dass er von den Zuschauerinnen und Zuschauern der ARD-Sportschau auch folgerichtig zum „Tor des Jahres“ 2000 gewählt wird.


Danach wird Marcelinho zweimal zum „Torschützen des Monats“ gekürt. Am 12. Juli 2001 trifft der brasilianische Publikumsliebling in der Vorrunden-Partie um den DFB-Liga-Pokal 2001 gegen Bayer 04 Leverkusen in Dessau aus 30 Metern in das linke obere Toreck zur zwischenzeitlichen 1:0-Führung, bevor er am 9. April 2005 in der Bundesliga-Partie gegen den SC Freiburg den zu weit vor dem eigenen Gehäuse postierten Torhüter der Gäste mit einem gefühlvollen Heber aus 48 Metern ebenfalls zur 1:0-Führung überwindet.


Kevin-Prince Boateng und Mitchell Weiser sind die beiden vorerst letzten in Diensten von Hertha BSC stehenden Spieler, die ein „Tor des Monats“ erzielen. Wie zuvor schon Erich Beer, nehmen beide Spieler die Ehrung für einen Treffer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft entgegen. Kevin-Prince Boateng erhält die Medaille für seinen Treffer nach einem wunderbaren Weitschuss fast von der Mittellinie zum 3:0-Endstand im Gruppenspiel der U19-Europameisterschaft gegen Griechenland in Lurgan, Nordirland am 20. Juli 2005, während Mitchell Weiser für seinen 1:0-Siegtreffer per Kopfball im Finale der U21-Europameisterschaft gegen Spanien in Krakau, Polen am 30. Juni 2017 ausgezeichnet wird.

Veröffentlichungsdatum: 30.11.2019
 
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