HERTHA BSC MUSEUM 1892
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Jürgen Sundermann – Herthaner als Spieler & Trainer

Durch ein 3:1 gegen den TSV 1860 München am 29. und vorletzten Spieltag der Premieren-Saison der Fußball-Bundesliga hat Hertha BSC unter Trainer Jürgen „Jupp“ Schneider den Klassenerhalt gesichert und kann die Suche nach weiteren Verstärkungen für die Mannschaft, deren Ziel auch in der zweiten Bundesliga-Saison 1964/65 der Verbleib in der höchsten deutschen Spielklasse ist, intensivieren.

Ein Mülheimer in der geteilten Stadt


Noch vor dem bedeutungslosen Saisonfinale bei Preußen Münster, vermelden die Berliner Gazetten am 4. Mai 1964 die Einigung mit einem Spieler, der auch vom Ligarivalen Borussia Dortmund stark umworben ist. Es handelt sich um den 24-jährigen offensiven Außenläufer und einmaligen Nationalspieler Jürgen Sundermann, der nach Carl-Heinz „Calli“ Rühl als zweiter Spieler vom westdeutschen Regionalligisten SC Viktoria Köln 1904 vom Rhein an die Spree wechselt. In seiner ersten Saison bestreitet der gebürtige Mülheimer 29 von 30 Ligaspielen für die Spreeathener, lediglich am 22. Spieltag beim 4:6 (1:3) beim TSV 1860 München ist er nicht mit von der Partie. Mit vier Vorlagen avanciert Jürgen Sundermann sogar zum führenden Torvorbereiter von Hertha BSC. Die Berliner, bei denen Co-Trainer Gerhard Schulte die Verantwortung für die Mannschaft vom nach dem Debakel in München beurlaubten Josef „Jupp“ Schneider übernommen hat, sichern sich erneut am vorletzten Spieltag mit einem 1:1 (1:0) gegen Borussia Neunkirchen den sportlichen Klassenerhalt. Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Blau-Weißen kurz darauf wegen der Zahlung von überhöhten Handgeldern bei der Verpflichtung von Neuerwerbungen aufgrund des damit verbundenen Verstoßes gegen das schon länger als nicht mehr zeitgemäß angesehenen Vertragsstatutes in die Regionalliga zurückstuft, bleibt Jürgen Sundermann bei Hertha BSC. In der Saison 1965/66 bestreitet er 26 Partien in der Regionalliga Berlin und erzielt dabei acht Tore. Mit 29 Siegen und nur einer Niederlage qualifiziert sich die Mannschaft für die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Als dem unangefochtenen Berliner Meister als Tabellendritter hinter Fortuna Düsseldorf, dem FK Pirmasens und vor den Offenbacher Kickers der Aufstieg verwehrt bleibt, wechselt Jürgen Sundermann nach zwei Spielzeiten im blau-weißen Trikot zur Saison 1966/67 zum
Servette FC in die Schweiz.

Die Rückkehr nach Berlin


Knapp 20 Jahre später kehrt Jürgen Sundermann nach Berlin zurück. Im April 1986 übernimmt er von Rudolf „Rudi“ Gutendorf das Traineramt bei den Blau-Weißen, als sich die Mannschaft vier Spieltage vor Ende der 2. Bundesliga der Saison 1985/86 in akuter Abstiegsnot befindet. Die Handschrift des neuen Trainers zeigt zunächst auch die gewünschte Wirkung, denn am 35. Spieltag wird zunächst der VfL Osnabrück deutlich mit 5:2 (2:0) besiegt, bevor bei Viktoria Aschaffenburg mit einem 1:0 (0:0) der nächste doppelte Punktgewinn verbucht werden kann. Am vorletzten Spieltag gastiert die ebenfalls stark abstiegsbedrohte Elf des SC Freiburg im Berliner Olympiastadion. Ein später Ausgleichtreffer zum 1:1 (0:0) schockt jedoch die Berliner, denn nun belegen die Breisgauer punktgleich und mit der identischen Tordifferenz lediglich aufgrund eines mehr geschossenen Tores den begehrten Nichtabstiegsplatz. Am 38. und letzten Spieltag unterliegt Jürgen Sundermann mit seiner Mannschaft mit 0:2 (0:1) bei Alemannia Aachen und muss nach 21 Jahren erneut den bitteren Gang in die Drittklassigkeit antreten, da sich der SC Freiburg zeitglich mit einem Heimsieg gegen SG Union Solingen den Verbleib in der 2. Bundesliga sichert.


Das Projekt „Wiederaufstieg“


In der Amateur-Oberliga Berlin 1986/87 setzt sich Jürgen Sundermann mit seiner neu formierten Mannschaft mit 24 Siegen & fünf Remis bei nur einer Niederlage souverän durch und qualifiziert für die Aufstiegsspiele zur 2. Bundesliga. Hier lauten die Gegner SpVgg Erkenschwick, Arminia Hannover, SV Meppen und BVL Remscheid. Nach drei Siegen und drei Remis bei lediglich einer Niederlage reicht den Blau-Weißen am achten und letzten Spieltag ein Unentschieden gegen BVL Remscheid, um die Rückkehr in die 2. Bundesliga zu sichern.


Vor über 15.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion bringt Jürgen Rinke mit seinem Treffer die Berliner bereits zur Halbzeitpause auf Aufstiegskurs, bevor die Gäste die Partie in der zweiten Spielhälfte mit drei Toren innerhalb von 14 Minuten drehen und sich nach dem 3:1 auf dem Berliner Rasen ausgiebig als Tabellenerster und Aufsteiger feiern. Nach der Partie konstatiert der sichtlich mitgenommene Berliner Trainer: „Es ist ganz klar der bitterste Tag. Wir haben uns im Grunde innerhalb von zehn Minuten um den Lohn der Arbeit gebracht, die hier im ganzen Jahr gemacht worden ist.“


Auch im zweiten Anlauf erringt die Mannschaft die Meisterschaft in der Amateur-Oberliga Berlin und hat sich in der Aufstiegsrunde mit Eintracht Braunschweig, MSV Duisburg, Preußen Münster und VfL Wolfsburg auseinanderzusetzen. Zum Auftakt gelingt mit einem 2:2 (0:0) beim VfL Wolfsburg der erste Punktgewinn, gefolgt von einem 3:0 (1:0) gegen den MSV Duisburg im heimischen Poststadion. In Braunschweig unterliegen die Berliner durch einen Gegentreffer in der letzten Spielminute unglücklich mit 1:2 (0:1), bevor zunächst Preußen Münster im Poststadion mit 3:0 (0:0) und anschließend der VfL Wolfsburg im Berliner Olympiastadion mit 3:1 (1:1) besiegt werden. Auch das folgende herbe 1:6 (0:2) beim MSV Duisburg wirft die Mannschaft nicht aus der Bahn, denn im letzten Heimspiel triumphiert die Mannschaft vor der Saison-Rekordkulisse von über 12.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit 2:0 (2:0) über Eintracht Braunschweig.


Am letzten Spieltag führt die Reise nach Münster, wo die Berliner aufgrund der Spielausgänge der anderen Partien unbedingt gewinnen müssen, um den Aufstieg perfekt zu machen. Nach einer halben Stunde markiert Helmut Rombach die Pausenführung für die Gäste, bevor die Aufstiegsaussichten in der zweiten Spielhälfte durch ein Eigentor kurzzeitig getrübt werden. Aber nur 180 Sekunden später wendet sich das Blatt endgültig zum Guten. Zwei weitere Tore von Helmut Rombach sowie ein Treffer von Thorsten Gowitzke stellen für Hertha BSC das verdiente 4:1 (1:0) und die damit verbundene Rückkehr in den bezahlten Fußball sicher. Der anschließende Jubel der zahlreich mitgereisten blau-weißen Anhänger unter den 4.500 Zuschauern im Preußen-Stadion und der vielen Hertha-Freunde bei der Ankunft am Flughafen Tegel um Trainer Jürgen Sundermann und seine Mannschaft kennt keine Grenzen.


Zweimal Herthaner – immer Herthaner


Die tiefe Verbundenheit von Jürgen Sundermann zu Hertha BSC spiegelt sich in einem Interview mit dem Fußball-Kurier im Sommer 1988 wider: „Hertha ist für mich das Schönste überhaupt. Es gibt keinen anderen Verein, mit dem ich mich so verbunden fühle wie mit Hertha BSC. Als Spieler habe ich den Verein kennengelernt und weiß seitdem auch, was Hertha den Fans im Osten bedeutet.“ Jürgen Sundermann betont auch heute noch, dass sich daran trotz des damaligen vorzeitigen Endes seines Engagements nach lediglich zwei Siegen und vier Remis in den ersten zwölf Spielen der Saison 1988/89 nichts geändert hat. Nicht zuletzt deswegen bleiben die Verdienste von Jürgen Sundermann um den Verein als Spieler und Trainer für immer ein ganz besonderer Bestandteil der Historie von Hertha BSC.

Veröffentlichungsdatum: 14.02.2020

 
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