HERTHA BSC MUSEUM 1892
  Hertha BSC •UEFA CL 99-00
#HerthaMuseum (#35)
 

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Hertha BSC in der UEFA Champions League 1999/2000

Mit einem sensationellen dritten Tabellenrang in der Bundesliga-Saison 1998/1999 erspielt sich die Berliner Elf um Mannschaftskapitän & Bundesliga-Torschützenkönig Michael Preetz das Startrecht für die dritte Qualifikationsrunde zur Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League 1999/2000. Für diese Qualifikationsrunde, die in Hin- und Rückspiel entschieden wird, bekommen die Blau-Weißen den zyprischen Serienmeister Anorthosis Famagusta zugelost.

Die 3. Qualifikationsrunde


Am 11.08.1999 zieht es 42.500 Zuschauer in das Berliner Olympiastadion, um ihre Mannschaft zu unterstützen. Ein früher Treffer durch Ali Daei und ein Tor von Michael Preetz nach knapp einer Stunde bescheren Hertha BSC einen 2:0-Erfolg und eine hervorragende Ausgangsposition für das Rückspiel. 14 Tage später geht für die Hauptstädter der große Traum der Teilnahme an der Gruppenphase der UEFA Champions League nach einem torlosen Remis im Stadion Antonis Papadopoulos in Larnaka tatsächlich in Erfüllung. Als eine von 32 teilnehmenden Mannschaften bekommen die Berliner mit AC Mailand, Galatasary Instanbul und Chelsea FC, den italienischen Meister der Serie A, den türkischen Meister der Süper Lig und den Tabellendritten der englischen Premier League, höchst attraktive Gegner zugelost.

Die 1. Gruppenphase

Die Blau-Weißen beginnen mit einem Auswärtsspiel in Istanbul, das nur 100 km vom Epizentrum eines vier Wochen zurückliegenden Erdbebens mit über 17.000 Toten und fast 45.000 Verletzten entfernt liegt. Kurz nach der Ankunft wird auch die türkische Metropole am Bospurus von einem Erdbeben erschüttert. Mit Anpfiff der Partie zeigt sich die Mannschaft jedoch nicht mehr durch dieses angsteinflößende Erlebnis gehemmt. Michael Preetz und Darius Wosz bringen die in den gelben Auswärtstrikots spielenden Berliner innerhalb von 120 Sekunden nach nicht einmal einer Viertelstunde mit 2:0 in Führung. Die 12.500 Zuschauer beim Public Viewing in der Waldbühne Berlin, darunter auch zahlreiche türkische Fans der „Aslanlar“ (die Löwen), trauen ihren Augen nicht. Nach dem umstrittenen Anschlußtreffer durch den Mannschaftskapitän Hakan Sükür nach einem zuvor für die Berliner angezeigten aber durch die Hausherren ausgeführten Einwurf, geht die Mannschaft von Trainer Jürgen Röber mit einer knappen Führung in die Halbzeitpause.


Nachdem der verletzte Thomas Helmer schon frühzeitig in der ersten Spielhälfte durch Sixten Veit ersetzt wird, entscheidet sich Trainer Jürgen Röber in der Halbzeitpause den nach einer vorangegangenen Gelben Karte rot-gefährdeten Abräumer nach lediglich 28 Spielminuten in der Kabine zu lassen und dafür Andreas Neuendorf aufzubieten. Als Jürgen Röber wenige Minuten nach Wiederanpfiff Andreas Thom für den ebenfalls verletzten Darius Wosz einwechseln muss, ist das Wechselkontingent bereits nach 50 Spielminuten erschöpft.

Nach einem Foul von Gheorghe Hagi muss Michael Hartmann die Partie mit einem gebrochenen Mittelfuß verlassen. In Unterzahl lässt sich Kostas Konstantinidis im eigenen Strafraum zudem zu einer Tätlichkeit nach einer Provokation des in Mannheim geborenen Ümit Davala hinreißen und wird nach dieser umstrittenen Szene von Schiedsrichter Urs Meier des Feldes verwiesen. Gheorghe Hagi erzielt mit mit dem fälligen Elfmeter vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit dann doch noch den 2:2-Ausgleichstreffer für die Gastgeber. Für den Champions League-Debütanten, der die Partie mit lediglich acht Feldspielern beenden muss, ist es dennoch ein hervorragender Auftakt in der Königsklasse.

Zum ersten Heimspiel vom Hertha BSC in einem europäischen Vereinswettbewerb seit mehr als 20 Jahren gastiert der Chelsea FC in Berlin. Nach nur 180 Sekunden schallt der Jubel der knapp 55.000 Zuschauer über das weite Rund des Olympiastadions. Nach einer wunderbaren Flanke von der linken Seite von Anthony Sanneh köpft Ali Daei aus acht Metern unhaltbar ins linke untere Toreck zur Führung für die Blau-Weißen. Die Engländer besitzen gegen die ersatzgeschwächten Gastgeber im weiteren Spielverlauf zwar die größeren Spielanteile, können aus den daraus resultierenden Torchancen jedoch kein Kapital schlagen.

Dafür ist es erneut Ali Daei, der zwanzig Minuten vor Spielende einen Fehler des französischen Weltmeisters Frank Leboeuf ausnutzt und den Ball am niederländischen Torwart Ed de Goey vorbei an den rechten Innenpfosten platziert, wovon dieser die Torlinie entlang ins Tornetz zum 2:0 rollt. Frank Leboeuf kann für die Londoner zwar durch einen von Dick van Burik verursachten Foulelfmeter kurz vor Ende verkürzen, die Berliner retten den letztendlich verdienten Sieg über die verbleibende Spielzeit.

Am dritten und vierten Spieltag ist jeweils der AC Mailand mit seinem mit vielen Weltstars gespickten Kader der Gegner der Hauptstädter. Zuerst gastiert Hertha BSC vor 41.000 Zuschauern im altehrwürdigen Giuseppe Meazza-Stadion, auch „San Siro“ genannt. Und in der La Scala del calcio“, der „Oper des Fußballs“ gehen die Berliner gut zwanzig Minuten vor dem Abpfiff durch Ali Daei sogar in Führung, bevor Oliver Bierhoff, Mannschaftskapitän der deutschen Nationalmannschaft, fünf Minuten später den Endstand herstellt.

Am 20.10.1999 kennt die Euphorie um Hertha
BSC in Berlin keine Grenzen mehr. Das Berliner Olympiastadion ist bis auf den letzten Platz gefüllt, die 75.000 Zuschauer bejubeln kurz vor der Halbzeit das Tor des Tages von Dariusz Wosz in die rechte untere Torecke zum 1:0-Sieg gegen die „Rossoneri“. Hertha BSC bleibt nach zwei Siegen und zwei Remis auch nach dem vierten Spieltag der Tabellenführer der Gruppe H der UEFA Champions League.

Die Qualifikation zur zweiten Gruppenphase wird trotz der sehr guten Ausgangsposition durch zwei Niederlagen gegen Galatasaray Instabul und beim Chelsea FC jedoch fast verspielt. Am fünften Spieltag unterliegen die Berliner daheim vor 71.500 Zuschauern, darunter erneut zahlreiche türkische Anhänger der Gelb-Roten, trotz einer 1:0-Führung zur Halbzeitpause durch einen von Kjetil Rekdal verwandelten Foulelfmeter deutlich mit 1:4.


Auch an der Stamford-Bridge gibt es für die Berliner in der englischen Hauptstadt nichts zu holen, die Mannschaft von Jürgen Röber unterliegt verdient mit 0:2 und muss nun auf Schützenhilfe aus Istanbul hoffen. Galatasaray, das mit vier Punkten Rückstand auf die beiden Erstplatzierten Chelsea FC und Hertha BSC auch mit einem Heimsieg gegen AC Mailand nicht mehr die zweite Gruppenphase erreichen kann, würde sich mit einem dreifachen Punktgewinn als Tabellendritter zumindest den Verbleib im UEFA-Pokal-Wettbewerb sichern, während der AC Mailand sich dann vollends aus den europäischen Pokal-Wettbewerben verabschieden müsste.


Und tatsächlich gewinnen die Istanbuler durch zwei Treffer von Hakan Sükür und Ümit Davala per Foulelfmeter innerhalb der letzten 180 Sekunden mit 3:2 gegen den amtierenden italienischen Meister und befördern mit diesem Sieg die Mannschaft von Jürgen Röber als Tabellenzweiten der Gruppe H in die zweite Gruppenphase der UEFA Champions League.

Veröffentlichungsdatum: 12.10.2019 (Teil 1)
  


Die 2. Gruppenphase

Knapp drei Wochen nach dem Auftritt an der Londoner Stamford Bridge gastiert mit dem FC Barcelona der Verein im Berliner Olympiastadion, der in der Saison 1991/1992 den letztmals ausgetragenen Wettbewerb um den Europapokal der Landesmeister mit einem 1:0-Sieg in der Verlängerung gegen Sampdoria Genua (Italien) für sich entschieden hatte.

Die Katalanen, zuletzt 1993/1994 Endspiel-Teilnehmer in der Champions League und dort dem AC Mailand deutlich mit 0:4 unterlegen, gelten in der Jahrtausendwende-Saison als einer der Favoriten für den Gewinn der begehrten Henkel-Trophäe. Trainer Louis van Gaal & Co-Trainer Jose Mourinho stehen mit z.B. Frank de Boer, Phillip Cocu, Luis Enrique, Luis Figo, Pep Guardiola, Patrick Kluivert, Rivaldo, Puyol und Xavi ein Ensemble mit Spielern von internationaler Spitzenklasse und hoffnungsvollen Talenten für dieses Vorhaben zur Verfügung.

Bereits im Tagesverlauf des 23. November 1999 ist abzusehen, dass sich am Abend unter dem Flutlicht des Berliner Olympiastadions dichter Nebel über das Spielfeld legen wird. Es werden Erinnerungen an das erste Nebelspiel am 1. Februar 1975 wach, als Hertha BSC den FC Bayern München erstmals in der Bundesliga vor heimischer Kulisse in einem legendären Spiel mit 4:1 besiegen konnte.

Und auch dieses Mal ist der dichte Berliner Nebel ein gutes Omen für die Blau-Weißen, obwohl die gut 60.000 Besucher im Stadion und die vielen Zuschauer vor den heimischen TV-Empfangsgeräten aufgrund der schlechten Sichtbedingungen nicht wirklich viel vom Spiel zu sehen bekommen.

Zwar geht der haushohe Favorit nach nicht einmal einer Viertelstunde standesgemäß in Führung - Phillip Cocu verlängert im Luftduell gegen Kostas Konstantinidis einen von Luis Figo getretenen Eckball auf Luis Enrique, der vollkommen freistehend am langen Pfosten aus kurzer Distanz per Kopfball trifft -, doch die Mannschaft von Trainer Jürgen Röber kann bereits zwanzig Minuten später ausgleichen.

Nach einem Einwurf von Andreas Thom in den Lauf von Dariusz Wosz und dessen Hereingabe ist es Kai Michalke, der in zentraler Position aus 20 Metern mit einem wunderbaren Direktschuss in das linkere untere Toreck den niederländischen Torhüter Ruud Hesp zum Ausgleich bezwingen kann.

In der zweiten Spielhälfte gelingt den Gästen, die in dieser Partie auf ihren brasilianischen Mittelfeldregisseur Rivaldo verzichten müssen, gegen die dicht gestaffelte Abwehr und den sehr gut aufgelegten Torhüter Gabor Kiraly kein weiterer Treffer, so dass es in dieser historischen Begegnung am Ende beim verdienten Punktgewinn für Hertha BSC gegen den FC Barcelona bleibt.


Am zweiten Spieltag reisen die Berliner zum FC Porto. In der „unbesiegbaren“ Stadt, der Spitzname der im Norden Portugals gelegenen Hafenmetropole lautet „Invicta“, unterliegen die Hauptstädter im Estadio das Antas vor 25.000 Zuschauern durch einen Treffer elf Minuten vor Spielende mit 0:1.

Nach der Winterpause empfangen die Blau-Weißen die noch punkt- und torlose Mannschaft von Sparta Prag. Die Chance auf den Einzug in das Viertelfinale ist angesichts von drei Punkten Rückstand auf den Gruppenzweiten FC Barcelona auf ein Minimum gesunken, was am Tage des meteorologischen Frühlingsanfangs auch die lediglich 30.000 Zuschauer im Berliner Olympiastadion erklärt. In einer mäßigen Partie kann Sixten Veit zwar kurz vor der Halbzeitpause die Führung erzielen, jedoch gleichen die Gäste sechs Minuten vor dem Schlusspfiff noch zum Endstand von 1:1 aus.

Nur sechs Tage später steht in Prag das Rückspiel an. Vor etwas mehr als 20 Jahren konnten die Berliner in der goldenen Stadt an der Moldau durch einen 2:1 Sieg bei Dukla Prag den Einzug in das Halbfinale um den UEFA-Pokal feiern. An diesem Dienstagabend müssen sich die Blau-Weißen vor nur 9.100 Zuschauern im Stadion Letná durch einen Treffer in der letzten Spielminute etwas unglücklich mit 0:1 geschlagen geben.

Einen Höhepunkt erlebt die Mannschaft dann am vorletzten Spieltag in der katalanischen Hauptstadt, wo man im geschichtsträchtigen Camp Nou vor 60.000 Zuschauern in der ersten Spielhälfte mit sehr viel Elan beim FC Barcelona zu Werke und durch Alex Alves sogar frühzeitig mit 1:0 in Führung geht, bevor die Hausherren in der zweiten Spielhälfte einfach zu stark sind und diese Parite letztendlich mit 3:1 für sich entscheiden.

Am 21. März 2000 endet für Hertha BSC die UEFA Champions League-Saison 1999/2000 vor 30.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion mit einem 0:1 gegen den FC Porto, der sich mit diesem Sieg hinter dem FC Barcelona für das Viertelfinale qualifiziert, während sich die Berliner mit dem vierten Tabellenplatz in der Gruppe A begnügen müssen.

Das Resümee

Hertha BSC verbucht in den sieben Heimspielen (ein Qualifikationsspiel und sechs Gruppenspiele) der UEFA Champions League-Saison 1999/2000 insgesamt 361.934 Zuschauer (51.704), die Berliner erringen in den insgesamt 14 Spielen drei Siege, fünf Remis und müssen sich sechsmal geschlagen geben (12:18 Tore). Die Teilnahme ist aus monetärer Sicht ein voller Erfolg, denn die Gesamteinnahmen aus Antritts-, Auflauf- und Punktprämien zuzüglich der TV-Gelder und Zuschauereinnahmen betragen 26,70 Millionen DM.

Die damaligen Spieler Ante Covic, Hendrik Herzog, Andreas „Zecke“ Neuendorf, Michael Preetz und Andreas Thom, die auch heute noch für Hertha BSC tätig sind, sowie die Publikumslieblinge Gabor Kiraly, Pal Dàrdai, Eyjólfur „Jolly“ Sverrisson, Darius „Zaubermaus“ Wosz und die anderen Akteure sind durch die gemeinsamen Erinnerungen für immer untrennbar mit der "Alten Dame" verbunden. Ein Spieler, der ab Januar 2000 für Hertha BSC spielt, kann das 20-jährige Jubiläum der Teilnahme an der UEFA Champions League 1999/2000 nicht mehr miterleben. Alex Alves, der drei Einsätze und einen Torerfolg für sich und seine Mannschaft in diesem Wettbewerb verbucht, verstirbt viel zu früh am 14.11.2012.

Veröffentlichungsdatum: 13.10.2019 (Teil 2)

 
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