HERTHA BSC MUSEUM 1892
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"Denker & Lenker nach der schwersten Stunde"

Eine Hommage an Heinz Warneke zum 88. Geburtstag

Im Frühjahr 1972 fährt der Hertha-Dampfer in unruhigen Gewässern, der Verein befindet sich in der laufenden Saison 1971/1972 zwar nie in Abstiegsgefahr, doch die Auswirkungen des Bundesliga-Skandals, in dem sich auch fünfzehn Spieler von Hertha BSC am letzten Spieltag der vorherigen Saison beteiligen, lässt dunkle Wolken für den Berliner Traditionsklub aufziehen.

Ehemalige Leistungsträger sind bereits seit Beginn bzw. im Verlauf der Saison vom DFB zu Sperren verurteilt, den anderen Spielern steht eine Sperre spätestens ab der folgenden Saison bevor. Während am ersten Spieltag gegen den FC Bayern München noch 72.000 Zuschauer ins Berliner Olympiastadion strömen, sind es Ende April beim drittletzten Saison-Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig nur noch 9.000 Besucher, dem einstigen Zuschauerkrösus mit durchschnittlich 43.800 Anhängern, statten nun noch 23.800 Zuschauer einen Besuch ab.


Hertha BSC findet zwar die Unterstützung durch den SPD-Politiker Kurt Neubauer, Innensenator und zugleich Stellvertreter des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, doch diese Hilfe ist mit der Forderung nach einem Wechsel in der Vereinsführung verbunden, so dass sich der amtierende und sportlich erfolgreiche Präsident Gerhard Bautz, ehemaliger Direktor der Schultheiss-Brauerei, nicht mehr zur Wahl stellt.


Ein Mann der Taten

Somit ist der Weg für den 41-jährigen Heinz Warneke frei, der als seit 1970 amtierender Direktor der Berliner Deutschlandhalle am 15.05.1972 zum neuen Präsidenten von Hertha BSC gewählt wird und mit seinen Vorstandskollegen Wilfried Tromp, Hans-Jürgen Reißbach und Werner E. Feik, die Bewältigung der vielfältigen Probleme angeht. 

Um einen Konkurs abzuwenden und die sportliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, tritt Heinz Warneke zur Gewährung von Krediten und der Stundung von Steuerrückständen in Verhandlungen mit dem Berliner Senat, der Berliner Bank und der Oberfinanzdirektion. Er verpflichtet neue Spieler für den Neuaufbau der Mannschaft von Hertha BSC, verhandelt mit dem DFB über Verkäufe von gesperrten Spielern an ausländische Vereine und generiert hiermit zumindest einen Teil des notwendigen Kapitals für Neuverpflichtungen.

Hierzu gehören Nationaltorwart Horst „Luffe“ Wolter, Hans „Hanne“ Weiner, Holger Brück und Gerhard Grau, die mit Lorenz „Lenz“ Horr, Erich „Ete“ Beer und Michael Sziedat den Neuanfang bewerkstelligen sollen. Allerdings unterliegt Hertha BSC in den ersten vier Partien der Saison 1972/1973 und rangiert punktlos auf dem vorletzten Tabellenplatz. Es fehlt der Mannschaft ein Dirigent in der Defensive, so dass Heinz Warneke mit dem Vorstand der sportlichen Notwendigkeit folgt und trotz der prekären wirtschaftlichen Lage den erfahrenen, aber zuvor neun Monate verletzten ehemaligen Nationalspieler Ludwig „Luggi“ Müller und in der Winterpause den schweizerischen Mittelstürmer Kurt „Kudi“ Müller als Verstärkungen an die Spree holt.

Die nun deutlich verbesserte Mannschaft um Trainer Helmut „Fiffi“ Kronsbein kann im Verlauf der Saison 1972/1973 das Ruder herumreißen und den Klassenerhalt sichern, was aber nur zu einem leicht spürbaren Anstieg der durchschnittlichen Zuschauerzahl auf 24.400 Besucher führt und somit kaum für eine Verbesserung der angespannten Finanzlage sorgt. Dies ändert sich auch nicht in der Saison 1973/1974, die Hertha BSC sportlich konsolidiert auf dem achten Tabellenplatz und mit einem merklich ansteigenden Zuschauerinteresse von 28.800 Besuchern pro Heimspiel beendet.

Der Verkauf der „Plumpe“

Der Verein hat mittlerweile eine Schuldenlast von über 6 Millionen DM zu tragen, die nur durch den Verkauf der an der Millionenbrücke gelegenen „Plumpe“, der Heimat von Hertha BSC, zu tilgen ist. Heinz Warneke und seine Vorstandskollegen beschreiten notgedrungen einen schon seit längerer Zeit angedachten Weg, der jedem Herthaner bis zum heutigen Tag das Herz zerreißt, aber die finanzielle Rettung des Vereins bedeutet. Am 24.05.1974 wird das vereinseigene Grundstück nach der notwendigen Umwidmung in Bauland für 6,20 Millionen DM an die Deutsche Immobilien Investierungs-AG veräußert. Hertha BSC ist durch diesen Verkauf als Folge des Bundesliga-Skandals schuldenfrei.

Zur Saison 1974/1975 gelingt Heinz Warneke mit der Verpflichtung von Dettmar Cramer als neuen Trainer von Hertha BSC ein zunächst viel beachteter Coup. Diese Partnerschaft währt allerdings nur wenige Wochen, weshalb das Traineramt kurz darauf „Sir“ Georg Kessler übertragen wird, der in den folgenden drei Jahren mit der Vizemeisterschaft 1975 und der ersten Teilnahme an einem DFB-Pokal-Endspiel als einer der erfolgreichsten Trainer in die Vereinshistorie eingeht. Am 23.09.1974 endet die 28-monatige Amtszeit von Heinz Warneke als Präsident von Hertha BSC, von 1996 bis 2010 gehört er zudem dem Aufsichtsrat unseres Vereins an.

Der Macher & Visionär

Heinz Warneke sichert während seiner Amtszeit mit viel Mut und finanziellem Risiko für den Neuaufbau der Mannschaft die Bundesligazugehörigkeit von Hertha BSC und bewahrt das Olympiastadion durch die weitere Nutzung auf höchster bundesdeutscher Fußballebene vor dem Schicksal eines leerstehenden Steindenkmals. Die Amtszeit von Heinz Warneke ist geprägt von dem Wissen um den Standortnachteil sowie die politische als auch wirtschaftliche Bedeutung eines Bundesligavereins in der geteilten Stadt Berlin und der Suche nach neuen Wegen, um eine bessere wirtschaftliche Basis für Hertha BSC zu gewinnen.

Der Fußball hat für Heinz Warneke eine große sozialpolitische Bedeutung, besonders der Berliner Fußball liegt ihm am Herzen, bereits zum 80-jährigen Bestehen unseres Vereins hat er visionäre Ideen bezüglich der Nachwuchsförderung, ohne die heutzutage kein Bundesligist wettbewerbsfähig ist. Ohne das Wirken von Heinz Warneke, der heute in Bad Honnef lebt, wäre eine Zukunft von Hertha BSC unter den damaligen Gegebenheiten kaum vorstellbar gewesen.


Veröffentlichungsdatum: 16.03.2019

 
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