HERTHA BSC MUSEUM 1892
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Ein Bayer in Berlin

Eine Hommage an Prof. Dr. Manfred Weigert zum 90. Geburtstag


1969 trifft der in München geborene Manfred Weigert den Nationalspieler Bernd Patzke, der seit Beginn der Saison 1969/1970 das blau-weiße Trikot von Hertha BSC trägt, auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin. Beide kennen sich aus der gemeinsamen Zeit beim TSV 1860 München, wo Bernd Patzke zuvor gespielt hat und Manfred Weigert als Mannschaftsarzt für den bayerischen Traditionsverein tätig war. Bei diesem zufälligen Aufeinandertreffen äußert Bernd Patzke zu Manfred Weigert „Mensch Manne, komm' doch zu uns, wir suchen einen Doc“.

Manfred Weigert ist seit 50 Jahren mit der Schauspielerin Brigitte Grothum, die vor allem durch Ihre Rollen in den erfolgriechen Edgar Wallace-Verfilmungen sowie in der besonders in Berlin populären Serie „Drei Damen vom Grill“ an der Seite der legendären Brigitte Mira, Harald Juhnke und Günter Pfitzmann bekannt ist, verheiratet. Noch heute fragen sich beide, ob sich die damaligen Lebensereignisse aus Zufall oder Schicksal zusammengefügt haben.


Denn während Brigitte Grothum, die er in München kennengelernt hat, in Berlin lebt, wohnt Manfred Weigert in München und arbeitet dort als Oberarzt in der Orthopädischen Klinik. Zu diesem Zeitpunkt wird jedoch der Lehrstuhl neu besetzt und der neue Ordinarius bringt sein Team, wie damals üblich, mit nach München.

Und so entscheidet sich Manfred Weigert 1969 für einen Wechsel in das Oskar-Helene-Heim in Berlin-Zehlendorf, wo er unter Prof. Friedebold Ordinarius als neuer Oberarzt der Orthopädischen Klinik wirkt und dort nach Beginn seiner Tätigkeit für Hertha BSC promoviert und habilitiert, bevor er seine Karriere als Chefarzt der orthopädischen Abteilung im Urban-Krankenhaus fortführt.

Blau-weiße Kompetenz mit bayerischem Humor


Bei Hertha BSC hat Manfred Weigert, dessen Wahlsprüche treffend „Wenns net lachst, bist net entspannt bei die Operationen“ und die „Die Natur kam mer net bescheissen“ lauten, alle Hände voll zu tun, denn er sitzt bei allen Heim- und Auswärtsspielen auf der Bank und kümmert sich persönlich um alle Verletzungen, sowohl während der Spiele als auch bei notwendigen Operationen im Krankenhaus.

Im September 1969 operiert er Lorenz „Lenz“ Horr nach dessen im Heimspiel gegen den 1. FC Köln zugezogenen schweren Schulterverletzung. Auch heute noch ist der ehemalige Berliner Stürmer voll des Lobes für Manfred Weigert ob des damaligen Eingriffes und der unkonventionellen Art und Weise der langjährigen medizinischen Betreuung. 
Auch emotional ist Manfred Weigert mitten im Geschehen. Bei einem Heimspiel gegen den FC Bayern München ist er mit den Entscheidungen des Schiedsrichters ganz und gar nicht zufrieden. In der Halbzeitpause bringt er gegenüber dem Landsmann seinen Unmut mit den Worten „Du bayerischer Saukerl“ zum Ausdruck.

Seine Frau ist ständiger Begleiter ihres Mannes. Als Hertha BSC am 12.09.1970 in einem fantastischen Spiel vor 86.000 Zuschauern im Berliner Olympiasstadion den 1. FC Köln mit 3:2 niederringt, ist Brigitte Grothum jedoch nicht in der Nähe ihres Mannes. 
Wegen der kurz bevorstehenden Geburt des ersten Kindes befindet sie sich im Krankenhaus. Und die erste Frage von Brigitte Grothum nach der Geburt richtet sich nicht nach dem Geschlecht des Kindes, sondern lautet: „Wie hat Hertha gespielt?!“

Nicht nur diese Episode zeigt die enge Verbundenheit der Familie Weigert/Grothum mit Hertha BSC, denn oft werden gemeinsame Feste mit der Mannschaft im Familienanwesen oder auch bei Spielern gefeiert. Diese familiäre Atmosphäre wird von allen Beteiligten geschätzt und gelebt, gemeinsam ist die Familie über die Jahrzehnte besonders mit Co-Trainer Gustav Eder, Physiotherapeut Kurt-Peter Bentin und Nello Di Martino, aber auch mit allen Spielern und den meisten Trainern ein Herz und eine Seele.


Zwei grandiose Spielzeiten von 1969 bis 1971, die schwere Zeit nach den Spielmanipulationen in der Bundesliga von 1972 bis 1974, die Deutsche Vize-Meisterschaft 1975, die beiden DFB-Pokal-Endspiel-Teilnahmen 1977 und 1979, das legendäre UEFA-Pokal-Halbfinale 1979, der bittere Gang in die 2. Bundesliga ein Jahr später, der Wiederaufstieg 1982, Abstiege bis in die Oberliga, die Rückkehr in den bezahlten Fußball und die denkwürdigen Spiele zu Zeiten des Mauerfalls mit dem erneuten Aufstieg in das deutsche Fußball-Oberhaus und der anschließende Gang zurück in die Zweitklassigkeit – Prof. Dr. Manfred Weigert erlebt hautnah von der Seitenlinie alle Höhen und Tiefen mit Hertha BSC.


Über viele Jahre spielt Manfred Weigert auch selbst Fußball. In der bereits 1950 gegründeten Prominenten-Elf des beliebten Berliner „Dalli-Dalli“- Showmasters Hans Rosenthal, kickt er für karitative Zwecke, später auch mit Ärzten und Pflegern in der Klinik-Mannschaft „Urban International“, die sich spaßeshalber manchmal sogar mit dem einen oder anderen Spieler von Hertha BSC verstärkt.

Der Rückzug ins Privatleben

Erst vor wenigen Jahren zieht sich Prof. Dr. Manfred Weigert, der auch für die medizinische Betreuung der Meistermannschaften der 1970er-Jahre des Berliner Schlittschuh-Club verantwortlich zeichnet, aus dem Berufsleben und nach und nach auch aus der Öffentlichkeit zurück.

Er residiert mit seiner Frau Brigitte Grothum seit 1977 in einem Haus in Berlin-Nikolassee, das einst den Boxstall von Willi Zeller beherbergte und in dem Eckhard Dagge, ebenfalls ehemaliger Patient von Prof. Dr. Manfred Weigert, zum zweiten deutschen Profi-Boxweltmeister nach Max Schmeling avancierte. Die beiden Kinder Debora (50 Jahre), eine bekannte Schauspielerin und Synchronsprecherin und Tobias (49 Jahre), Aufnahmeleiter für die beliebte ARD-Fernsehserie „In aller Freundschaft“, haben natürlich längst das Familiennest verlassen, doch sind sie so oft wie möglich zu Besuch bei ihren Eltern, wenn es die beruflichen Aufgaben zulassen.

Veröffentlichungsdatum: 03.11.2019

 
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